Die Wissenschaft der Erziehung mit positiver Verstärkung

Die Wissenschaft hinter der Erziehung mit positiver Verstärkung

„Das Gute an der Wissenschaft ist: sie hat recht – egal, ob man daran glaubt oder nicht.“
Neil deGrasse Tyson

doglabUnser Verständnis davon, wie Hunde denken, fühlen und lernen entwickelt sich ständig weiter. Die Art der Erziehung mit „harter Hand“, die man in den vergangenen Jahrzehnten einsetzte, entwickelten sich ihrerseits auch aus dem heraus, was die Menschen über das Verhalten domestizierter Tiere zu wissen glaubten. Aber die Wissenschaft ist ein weites Feld, das ständig in Bewegung ist und sich permanent weiterentwickelt. Die Pflicht von Trainern und Hundebesitzern ist es, diese faszinierenden Tiere immer besser zu verstehen und en par zu bleiben mit modernem, verhaltensbiologischem Wissen, anstatt auf überholten Lösungsmethoden zu bestehen, nur, will man das „schon immer so“ gemacht hat. Wir entwickeln uns schließlich auch auf allen anderen Gebieten weiter, benutzen schnellere Multitasking-Telefone, prügeln unsere Kinder nicht mehr, gestehen Soldaten Trauma-Bewältigung zu und fahren neue, schadstoffarme Autos, obwohl die von 1926 uns natürlich auch irgendwo hin bringen. Nur längst nicht mehr auf die Art und Weise, die für unser Tempo, unsere Umwelt und unsere veränderten Bedürfnisse passen.

Wir haben eine kulturelle Schwäche für „schnelle Lösungen“ – sogar in der Hundeerziehung. Unerwünschtes Verhalten, das der Hund innerhalb von Wochen, Monaten oder gar Jahren entwickelt hat, soll möglichst in einem Tag gelöst werden und verschwinden. Dank moderner Medien und der Weiterverbreitung überholter und längst widerlegter Thesen über Wölfe, Dominanzverhalten und Rudelführung, bestehen weiterhin zahllose Mythen und Missverständnisse darüber, wie Hunde denken, lernen und mit ihrer Umgebung in Verbindung stehen.

Von dem weitverbreiteten Mißverständnis von „Dominanz bei Hunden“ (die jedes Mal, wenn vor Ihnen durch die Tür laufen, damit demonstrieren, dass sie die „Rudelführung“ übernehmen wollen) über die irrige Annahme, Hunde seien „wie Wölfe“ und hätten ein ähnliches Rudelverhalten, bis hin zu der Pflicht des Hundehalters, seinen Hund in die Unterwerfung zwingen zu müssen, müssen in den Köpfen ansonsten ganz modern denkender Menschen unendlich viele Falschinformationen über Hunde und Hundeerziehung abgebaut werden. Erziehung mit „positiver Verstärkung“ ist kein Zeichen von Schwäche oder „Wattebauschwerfen“. Es bedeutet auch nicht, dass man dem Hund keine Grenzen setzt.

Die Wissenschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit Lernbiologie beschäftigt, dem Einsatz von Strafen in der Hundeerziehung, die Rolle von „Dominanz“ in der Hundewelt und den Effekten von positiver Verstärkung. Auch wenn es noch immer Auseinandersetzungen darüber gibt, was nun wirklich der schnellste, sicherste und effektivste Weg in der Hundeerziehung ist, hat die Wissenschaft die Debatte darüber längst beendet: Es ist mittlerweile längst wissenschaftlich bewiesen, dass Erziehung und Training mit positiver Verstärkung die effektivste und beste Methode sowohl für hochaggressive, „verdorbene“ Hunde ist, wie auch für ganz grundsätzliche Erziehung junger Hunde.
Die Zukunft der Hundeerziehung ist der Weg der positiven Verstärkung. Wer das nicht verstehen möchte, will Hunde nicht verstehen.

(siehe auch: http://www.lumpi4.de/positive-erziehung/ )

Für diejenigen, die mir das nicht glauben wollen, anbei verschiedene Links zu Veröffentlichungen internationaler Studien in wissenschaftlichen Zeitschriften und anderen Publikationen, die das Verständnis von Hunden und deren Lernvermögen in den letzten Jahren völlig verändert haben – zum Vorteil der Beziehung zwischen Mensch und Hund.

–       „The Use of Dominance Theory in Behaviour Modification of Animals“, American Veterinary Society of Animal Behaviour : http://avsabonline.org/uploads/position_statements/dominance_statement.pdf

–       „The Use of Punishment for Behaviour Modification in Animals“ , American Veterinary Society of Animal Behaviour: http://avsabonline.org/uploads/position_statements/Combined_Punishment_Statements.pdf

–       „Whatever happened to the term Alpha Wolf?“ , article by David L. Meech, Wissenschaftler der U.S. Geological Survey und Gründer und Vizepräsident des International Wolf Center: https://www.4pawsu.com/alphawolf.pdf

–       „Using ‚Dominance’ to explain dog behaviour is old hat“, Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research, May/June 2009, Pages 135-144http://www.bio-medicine.org/biology-news-1/Using-dominance-to-explain-dog-behavior-is-old-hat-8523-1/

–       „Dominance in dogs – useful construct or bad habit?“, Journal of Veterinary Behavior, Vol 4, Issue 3, Pages 135-144 (May 2009) http://www.journalvetbehavior.com/article/S1558-7878%2808%2900115-9/abstract

–        „Alpha Status, Dominance, and Division of Labor in Wolf Packs“, by David Mech, Canadian Journal of Zoology 77:1196:1203. (Jamestown, ND: Northern Prairie Wildlife Research Center Home Page) http://www.nrcresearchpress.com/doi/abs/10.1139/z99-099

–       „Rethinking the Causes of Canine Aggression“ Veterinary Medicine http://veterinarymedicine.dvm360.com/cvc-highlight-rethinking-causes-canine-aggression

–       „The long-term effects on spanking“ , Time Magazine, vom 3. Mai 2010 http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,1983895,00.html

–       http://youtu.be/tNtFgdwTsbU   Video von/mit Dr. David Mech, der als Erster den Begriff „Alpha-Wolf“ prägte darüber,  unter welchen Umständen dieses Wort zustande kam und dass in den vergangenen 35 Jahren so viel Wissen hinzugekommen ist, dass der Begriff nicht so bestehen kann, wie er heute eingesetzt wird

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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