Mangelsyndrom beim Hund

In B.A.R.F.er-Kreisen wird oft behauptet, Tierärzte seien „gegen“ Frischfleischfütterung, weil sie lieber Futter von großen Herstellern verkaufen wollen, o.ä.

Tatsächlich ist es eher so, dass Tierärzte natürlich eher kranke Hunde zu sehen bekommen und nicht die gutaussehenden, top-gesunden Hunde, die mit ausgewogenen Barf-Rationen ernährt werden, sondern eben genau die Hunde, die durch unausgewogene Ernährung mehr oder weniger massive Mangelerscheinungen aufzeigen – und entsprechend mißtrauisch werden, wenn ihnen immer wieder Patienten erzählen, sie würden “barfen”, aber ganz offensichtlich keinen echten Plan dabei haben.  Denn gerade im Bereich des Barfens existieren so viele Mythen und Missverständnisse, dass einem die Haare zu Berge stehen können. Der Hund lebt eben nicht vom Fleisch allein, und auch die Zugabe von Gemüse und Obst allein reicht nicht aus: Er braucht zusätzlich Jod, Zink, Kupfer, Selen und bestimmte Spurenelemente.

Trotzdem glauben viele Leute, man könne einen Hund sein Leben lang „pi mal Daumen“ ernähren und halten Rationsberechnungen oder so genannte B.A.R.F. – Profile für überflüssig. Dabei sind eben diese Rationsberechnungen eine einmalige Ausgabe von ca. 120 Euro, die für viele Jahre absichern, dass der Hund alles bekommt, was er braucht. Wenn er älter wird, sollte man eine zweite Rationsberechnung machen lassen, weil sich die Nährstoffbedürfnisse des Hundes mit den Jahren normalerweise ändern.

Mangelerscheinungen erkennt man nicht sofort und nicht einmal in absehbarer Zeit, sondern sehr oft sogar erst nach ein paar Jahren. Überlegen Sie mal: Bei Menschen sieht man Mangelerscheinungen (z.B. durch viel und regelmäßiges Rauchen, Alkohol, Drogen, vitaminarme Ernährung) auch meistens erst nach zehn bis zwanzig Jahren – wieso sollte man sie einem Hund äußerlich nach zwei Jahren oder sogar nur ein paar Monaten ansehen können?

Mangelsyndrome können aber dazu führen, dass der Hund Unverträglichkeiten oder sogar Allergien entwickelt. Über einen normalen Bluttest lassen sich Mängel der Minerale und Spurenelemente nicht nachweisen.

Folgender Fallbericht macht deutlich, wie wichtig eine ausreichende Nährstoffversorgung ist  – und bei der Frischfleischfütterung eine Rationsberechnung als Überprüfung.

Dieser Schäferhund wurde einem Berliner Tierarzt vorgestellt:cache_2458089248

Als junger Hund hatte er wiederholt juckende Hautprobleme an diversen Hautregionen, zeigte zeitweise Haarverlust auf dem Nasenrücken (war nie im Ausland). Er bekam immer wieder Kortison, zuletzt als Tabletten 50 mg Prednisolon (1 x täglich ca. 3 Wochen lang), wiederholt im Abstand von ca. 3-4 Wochen über mehrere Jahre.

Seit 2010 (der Hund war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt) wurde er gebarft -> Verschlechterung.

2013 bis Anfang 2014 Homöopathische Therapieversuche -> Verschlechterung.

Seit Dezember 2013 hatte der Hund Konjunctivitis und lokale Dermatitis in der Augenumgebung –> Biopsie –> Granulozyten vermehrt nach bakterieller Infektion.

Daraufhin bekam er vier Wochen lang Clavaseptin -> nur geringfügige Verbesserung.

Der Hund nahm immer mehr ab – ca. drei Kilo – , war sehr träge und hatte keine Kondition mehr. Die Haut verdickte sich; an den Ellenbogen bildeten sich Liegeschwielen, als würde der Hund auf Betonboden liegen.

Erstvorstellungstermin beim neuen Tierarzt

Zustand bei der Erstvorstellung

Zustand des fünfjährigen Hundes bei der Erstvorstellung

Diagnostik allgemein:

leicht vergrößerte Lymphknoten mandib., Herzfrequenz bei ca. 100 – Hund extrem aufgeregt und ängstlich; rechter Hoden kleiner mit lokaler Gewebeverdichtung, sonst klinisch-allgemein obB,

Ultraschall Hoden: rechts  Hodentumor, jedoch – wie sich nach Laboruntersuchung zeigt – kein hormonell aktiver Tumor (Östradiol normal s.u.)

Dermatologische Diagnostik

Pruritus Grad 3-4 (10 wäre höchstgradiger Pruritus = chronischer Juckreiz über den ganzen Körper)

Konjunctivitis beidseitig mit grauem Ausfluß; unmittelbare Umgebung der Augenlider: Dermatitis mit ausgeprägter Hyperkeratose, Cheilitis mit deutlicher Schwellung und Hyperkeratose; Vorderbrust: Dermatitis ; Pfoten: leichte Leckspuren: Achseln und Leisten: Leckspuren; vordere Ellenbeugen: lokale Dermatitis mit massiver Hyperkeratose lateral; äußere Ellenbogen: massive Hyperkeratose; krustig-hyperkeraotische Dematitis an den caudalen Tarsi; Präputium (=Vorhaut): starke Schwellung und Präputialkatarrh sowie ausgeprägte Hyperkeratose an der Präputialspitze;

cache_2458089242Afterumgebung: deutliche Dermatitis mit Schwellung; Skrotaldermatitis mit massiver Hyperkeratose. An den Körperseiten Haarverlust, Dermatitis mit Papeln und Pusteln und fleckige Bereiche mit Hyperkeratose. Dünnes, schütteres Fell.

Das klinisch–dermatologische Bild ließ den Verdacht auf Zinkmangelsyndrom zu.

Zytologie:

Sehr viele Kokken (höchstgradig) und Granulozyten, besonders  an der Vorderbrust, an den Innenschenkeln , am After, mittelgradig in der Augenumgebung, am Präputium, an den Ellenbogen vorn und innen und an den Lefzen

Hautgeschabsel: negativ

Labor:
Klin. Chemie: ALT etwas erhöht;
SD: T4 und fT4 sehr deutlich reduziert, TSH normal
Östradiol normal (Hodentumor nicht hormonell aktiv)
BB: HK etwas reduziert (0,40), Leukozytose (16,9), Eosinophile etwas erhöht
Serolog. Allergietest: negativ (!)
Sarkoptes AK negativ
Pilzkultur: negativ

Differentialdiagnose: bakterielle Hautinfektion

auf einer der folgenden Grundlagen: hormonell,  autoimmun, allergisch, tumorös, ernährungsbedingt, Zinkmangelsyndrom. Möglicherweise auch mehrere Ursachen beteiligt.

Anfangstherapie:

Entwurmung;
Antibiose zunächst mit Cefalexin, dann Wechsel auf Marbocyl;
lokale Therapie der Konjunctivitis, der Präputialentzündung , des Analbereichs; zeitweise Thyroxinsubstitution zu Verbesserung der aktuell zu niedrigen Werte; Substitution Omega 3 und Omega 6 – Fettsäuren; antibakterielle Shampoonierungen.

Unter dieser Therapie besserte sich der Allgemeinzustand und der Juckreiz wurde geringer. Dermatitis und Hyperkeratosen besserten sich nicht.

Weiterführende Diagnostik :

Der veränderte Hoden wurde chirurgisch entfernt, zugleich wurden
Hautbiopsieproben entnommen. Es wurde ein Sertolizelltumor nachgewiesen.

Ergebnis der histopathologischen Beurteilung Pathologe 1:
Bei den Hautbiopsien wurden granulomatöse Veränderungen der Haut sowie eine Follikulitis/Furunkulose festgestellt. Malassezien fanden sich scheinbar auch in den granulomatösen Veränderungen selbst (ein sehr ungewöhnlicher Befund, so dass zusätzlich eine Silberanfärbung der Schnitte erfolgte – hier wurde dann ein Verdacht auf andere pilzliche Strukturen erhoben. Teilweise wurden vermehrt eosinophile Granulozyten gefunden. Auffällig war eine epidermale Hyperplasie sowie eine sehr deutliche, teils parakeratotische Hyperkeratose. Das Bild entsprach nicht dem einer typischen Überempfindlichkeitsreaktion.

Es wurde eine Zweitmeinung zu den histopathologischen Befunden angefordert.

Ergebnis der histopathologischen Beurteilung:

Furunkulose, murale Follikulitis, eosinophile und mastozytäre Dermatitis, teilweise Malassezien beteiligt.
Multifokale Furunkulose mit sekundärer Pyodermie könnte als Ausdruck eines allergischen Prozesses (z.B. Futtermittelallergie) angesehen werden.
Zur Klärung der Resistenzsituation bei den zytologisch nachgewiesenen Kokken und der Rolle der in der Histopathologie (nicht aber in der Zytologie) gefundenen Malassezien wurden Proben von der Hautoberfläche und aus den tiefen Schichten der Haut zur mykologischen und bakteriologischen Untersuchung entnommen. Im Ergebnis wurde ein multiresistenter Staphylococcus pseudintermedius (MRSP !) gefunden. Der Erreger wurde als sensibel gegenüber Doxycyclin identifiziert. Mykologisch waren die Proben negativ.
Es wurde eine Ernährungsanalyse durchgeführt. Der Hund erhielt bis dahin seit mehr als vier Jahren selbst gestaltete Futterrationen (BARF) mit viel Fleisch, etwas Mais- und Gemüseflocken, Calciumcitrat, Öl und einer Prise Meersalz.
Für die Ernährungsanalyse wurde eine Rationsberechnung durchgeführt und es wurden zugleich Blutproben („Barfprofil“) untersucht.
Bei den Nährstoffen zeigt sich sowohl bei der Rationsberechnung als auch bei der Blutuntersuchung eine massive Unterversorgung mit Zink, Vitamin A und Jod.

Neben Mängeln in der Futterration könnten hier auch genetische Faktoren eine Rolle spielen: Es gibt nämlich Hunde, bei denen die Fähigkeit herabgesetzt ist, bestimmte Nährstoffe zu resorbieren. Eine weitere mögliche Ursache wäre auch eine Futtermittelunverträglichkeit.

Weitere Therapie:

  • 1 x täglich 3 Tabletten Zink Verla Tabletten 20 mg   + 1 x tägl. 1,5 g Seealgenmehl Lunderland + 1 x täglich 1 Teelöffel Lebertran (Dorsch), zunächst für ca. 30 Tage. Zeitgleich erhielt der Hund Anallergenic.
  •  2 x tägl. 200 mg Doxycyclin
  • 1 x tägl. 7,5 mg Predn. ( 0,18 mg/kg KM)(zur Verbesserung der Zinkresorption und wegen der wahrscheinlich beteiligten FM-Überempfindlichkeit)
  • Weiter Shampoonierung bzw. Fluid und Omega 3 – FS Präparat
  • Augen: 3 x tägl. OTC + Dexapos

Nach Einleitung dieser Therapie verbesserte sich der Zustand der Haut sehr schnell. Eine erneute Blutuntersuchung zeigte, dass sich auch der Jod- Wert schnell normalisierte; nach kurzer Zeit war auch der Vitamin A – Wert normal und nach 2-3 Wochen hatte sich auch der Zink-Wert normalisiert. Entsprechend wurde die Substitution mit Seealgenmehl, Lebertran und Zink beendet.

Und so sieht der Hund nach der Therapie aus:

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31 Kommentare

  1. Meine Güte. Als ich das Bild im ersten Moment sah, schoss mir sofort der Gedanke durch den Kopf, wo denn schon wieder sein Hund so fürchterlich vernachlässigt und misshandelt worden ist, dass er so aussieht…
    Erschreckend, wie viel man da falsch machen kann und wie viele falsche Informationen im Umlauf sind. Und wenn man dann noch Jahre braucht, um an den richtigen Tierarzt zu gelangen, dann ist fast ein halbes Hundeleben um, bis es dem Tier wieder gut geht!

    Danke, dass Sie uns Leser immer wieder über diese Dinge aufklären und so viel recherchieren!!!
    Und danke auch für “Leinen los”! Wir sind in den letzten drei Tagen schon sehr viel entspannter spazieren gegangen, weil das “weiter” endlich wieder klappt und ich nicht mehr pausenlos an der Leine ziehe!!!
    Ihnen und Ihren Hunden einen guten, gesunden und langweiligen 😉 Jahreswechsel.
    Liebe Grüße, Tina.

  2. Danke Katharina für diesen Bericht, Du schreibst mir aus dem Herzen! Und ich hoffe, dass alle möchtegernbarfer diesen Artikel ausführlich lesen und sich Gedanken um das machen, was sie jeden Tag ihren Hunden füttern.
    Denn neben den erwähnten Spurenelementen und Vitaminen, stimmt in vielen Fällen das Kalzium-Phosphor Verhältnis nicht und damit fängt es oftmals an, kommt dann noch eine Unterversorgung in anderen Bereichen dazu, kommt der Teufelskreis erst so richtig in Schwung.
    Wie bei so vielen Dingen, sei es Ausbildung, Vitalität oder Gesundheit – die Antwort, ob etwas richtig oder falsch ist, gibt immer der Hund. Setzt natürlich voraus, dass der Halter fein und genau beobachtet, dass sind wir aber den Tieren, die von uns abhängig sind auf jeden Fall schuldig.

    Liebe Grüsse
    Monika

  3. Zum Calzium-Phosphor-Verhältnis:
    “Der Calzium-Phosphor-Gehalt von Hundefutter ist inzwischen wegen neuen Erkenntnissen der Ernährungswissenschft recht umstritten. Die empfohlene Calciummenge lag vor einigen Jahren noch viel höher als heute und man gab vor, dass das Ca:P Verhältnis unbedingt bei 1:1 bis 1,2:1 liegen sollte. Neue Erkenntnisse, die 2006 von der NRC (National Research Council) veröffentlich worden sind, besagen, dass ein erwachsener Hund im Erhaltungsstoffwechsel ca. 50 mg Ca/kg Körpergwicht/Tag benötigt. Jetzt heißt es, das Ca:P Verhältnis wäre nicht so wichtig, wichtig wäre, dass der Calciumbedarf des Hundes gedeckt wird. Bei einer ausreichenden Knochenfütterung ist das kein Problem.”
    Quelle:http://www.barfers.de/barf_info_start/barf_faq.html

    Bei den (fettlöslichen) Vitaminen (E,D,K,A) sollte darauf geachtet (auch) werden, dass sie nicht überdosiert werden, das wäre ebenfalls gesundheitsschädlich (bei manchen kann sogar eine einmalige (!) gesundheitschädlich sein!).

    Sonst würde ich natürliche Vitamine bevorzugen (Jod=Meeresalgen,Alfalfa (Luzerne) enthält die Vitamine A, B 1, B 6, B 12, C, D, E, K und U, Beta-Karotin, Pantothensäure, Biotin, Folsäure, Kalzium, Phosphor, Kalium, Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer, Aminosäuren und Spurenelemente,ect.), es sei denn, der Hund hat einen so starken Mangel das er hochkonzentrierte Vitamine braucht, die in der Natur nicht vorkommen.

    Fazit: Ein Hund kann nicht nur von Fleisch (verwende ich mal als Überbegriff), Knochen und Gemüse/Obst ernährt werden, die Nahrung muss sinnvoll (!) ergänzt werden mit Kräutern, Meeresalgen,Milchprodukten (wenn der Hund sie verträgt).
    Beim B.A.R.F. muss nicht jede Mahlzeit ausgewogen sein, ich berechne das immer für eine Woche.

    • Hallo Aldi,

      alles, was Sie schreiben, zeigt, wie wichtig eine Rationsüberprüfung ist. Denn die wenigsten Menschen füttern wirklich ausreichend Knochen (zumal im Winter, wenn der Hund sie auf dem Teppichboden fressen muss); viele Hunde vertragen Knochen in der ausreichenden Menge auch gar nicht und reagieren mit Verstopfung.

      Überdosierungen von Vitamin E,D,K oder A sind überaus selten. Bei E gibt es keine Berichte über eine toxische Wirkung (und weil es ein sehr wichtiges Antioxidans ist, darf es gerade bei älteren und/oder kranken Hunden gerne etwas mehr sein). A und D können in extrem hohen Dosen, die über einen längeren Zeitraum verabreicht werden, toxisch sein – aber das schafft man nicht einmal mit tassenweise gegebenen Zusätzen.

      In Tierversuchen mit Ratten konnte gezeigt werden, dass hohe Dosen (um die 30 mg/kg tgl.) von Vitamin K2 den Knochenabbau hemmten. Vitamin K ist aber nur in geringsten Mengen in Futterzusätzen enthalten – man müsste seinen Hund schon vorsätzlich mit Vitamin K zuschütten müssen, um ihm damit schaden zu können.

      Kupfer- und Zinkunterversorgungen kommen bei gebarften Hunden übrigens sehr häufig vor laut einer Studie der Ludwig-Maximilian-Universität in München.

      Die Studie, dass Kalzium “doch nicht so wichtig” ist, kenne ich nicht. Wissen Sie, wo ich die finden kann? Ich weiß allerdings, dass viele Barfer als Ersatz Eierschalenpulver geben und damit sehr großzügig umgehen, wobei eine dauerhafte Überversorgung eben problematisch ist.

  4. “Jetzt heißt es, das Ca:P Verhältnis wäre nicht so wichtig, wichtig wäre, dass der Calciumbedarf des Hundes gedeckt wird. Bei einer ausreichenden Knochenfütterung ist das kein Problem.“

    Nicht das Kalzium ist “doch nicht so wichtig” sondern das Verhältnis zwischen Ca/P!

  5. danke für den artikel. wir füttern unserem süßen spezielles futter vom tierarzt, er hat schnell magenprobleme. häufig wird man ja schon schräg angesehen, weil man nicht barft (der arme hund…). zum glück geht es dem schäfi wieder gut.

  6. Auch bei dem Thema gilt, wie bei so vielem anderen: Mit Sinn und Verstand bitte!

    Ich barfe selbst und bin oft genug geschockt, was manche Menschen unter barfen verstehen und kann wirklich nur noch den Kopf schütteln.
    Genauso geschockt bin ich aber auch, wenn ich mir die Deklarationen der meisten industriell hergestellten Hundefutter ansehe.

    Bei beiden Fütterungsarten sollte man den Verstand einschalten, denn auch mit Fertigfutter kann man Hunde krank füttern. Es ist, genau wie Barf, nicht das Allheilmittel.

  7. Da ich einen Hund mit einem ähnlichen Krankheitsbild hatte (der nicht gebarft wurde), nehme ich an, dass es sich bei den “1 x tägl. 7,5 mg Predn.” um Prednisolon, also eine hochdosierte Kortisongabe handelt. Mit einer derart hohen Kortisondosierung wird die Funktion des Immunsystems vermindert. Da das Kortison nach Erreichen der Normalwerte bei den mangeldiagnostizierten Vitaminen NICHT ausgeschlichen wurde, kann eine Aussage darüber, ob der Vitaminmangel tatsächlich Ursache der Sekundärerkrankungen der Haut war, gar nicht getroffen werden. Die Überschrift des Blogbeitrags erweckt jedoch genau diesen Eindruck.

    Ich will hier nicht Vitaminmangel schön schwatzen, aber eine Dermatitis ist eine Hauterkrankung, deren Ursprung nicht vollständig geklärt ist. Deswegen wurden in der Differentialdiagnose eine Reihe von möglichen Ursachen für die Dermatitis genannt, auch die Möglichkeit einer Kombination von Ursachen wurde nicht ausgeschlossen.

    Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie Hund und Halter unter einem solchen Krankheitsbild leiden. Bei eine derart hohen Kortisoneinnahme sind eine Reihe schwerer Nebenwirkungen möglich, was eine zusätzliche Belastung bedeutet. Den Betroffenen Hoffnung zu machen, indem man eine Vermutung als gesicherte Diagnose darstellt, ist sehr grenzwertig!

    • Kortison mindert immer die Funktion des Immunsystems. Sie müssen den zeitlichen Ablauf der Krankengeschichte bedenken: Die Ursache der Hautstörung war ja nicht das Kortison. Der zeitliche Verlauf spricht eindeutig für einen Zinkmangel, der jetzt dauerhaft ausgeglichen ist.Das Kortison wurde kausal verabreicht, um die massiven Beschwerden zu lindern und die Haus abschwellen zu lassen – natürlich sind schwere Nebenwirkungen . Außerdem wurde Zink gegeben, um den Zustand zu stabilisieren und das Defizit auszugleichen. In der Folge gab esmglich, aber wenn Sie sich die Bilder des Hundes ansehen, waren die Krankheitssymptome schwerer, als irgendwelche 1:1000 vorkommenden Nebenwirkungen es sein könnten. Es gab nach dem Absetzen der Medikamente (die selbstverständlich alle ausgeschlichen bzw. abgesetzt wurden) keinen Rückfall mehr, und das Zink normalisierte sich im Blut, was seither auch regelmäßig überprüft wird. Die Diagnose ist gesichert. Dementsprechend ist an meinem Text wirklich nichts “grenzwertig”, sondern gründlich recherchiert. Und doch: Ich will Besitzern von betroffenen Hunden durchaus Mut machen, denn an der Fallakte sieht man ja, dass die Besitzer mit dem Hund eine langjährige Odysee von Tierarzt zu Tierarzt hinter sich hatten, weil niemand auf die relativ simple Lösung kam – die dem Hund ja auch geholfen hat.

  8. Tun Sie uns und sich selbst in solchen Dingen demnächst einen Gefallen und lassen Sie die behandelnden Tierärzte selbst zu Wort kommen, damit der Ausschluss der möglichen Ursachen aus der Differentialdiagnose, die nicht in Zusammenhang mit dem Vitaminmangel stehen, für den Leser nachvollziehbar werden.

    Wenn ich in meinem Beitrag nichts “schön schwatzen” möchte, nimmt das “Schwatzen” übrigens keinen Bezug auf Ihre Äußerungen.

    • Liebe Heidrun,
      tun Sie demnächst mir einen Gefallen und mäßigen Sie Ihren Tonfall ein wenig. Ihre Unfreundlichkeit ist weder notwendig, noch angebracht, denn ich habe niemanden angegriffen, noch Quatsch geschrieben. Der behandelnde Tierarzt hat den Text gegengelesen und fand ihn klar und nachvollziehbar. Ich auch. Und ich habe mit Texten schon eine ganze Weile länger zu tun als Sie. Haben Sie von Ihren Hunden denn nichts gelernt? Die sind Experten in Konfliktvermeidung und würden nie ohne Grund direkt und ohne Vorwarnung angreifen. Wenn doch, wären sie ein Fall für Verhaltenstherapie. Gruß, Katharina von der Leyen

  9. Sehr geehrte Frau von der Leyen,

    an meinem Tonfall ist nichts unmäßiges. Ich habe sie gebeten einen Sachverhalt umfassend und nachvollziehbar zu schildern oder am besten von Fachleuten schildern zu lassen. Mein Einwand, dass ohne die Information, dass das Prednisolon ausgeschlichen wurde, alle das Immunsystem betreffenden, möglichen Ursachen für die Dermatitis nicht ausgeschlossen werden können, war berechtigt. Wie belastend eine solche Krankheit für alle Beteiligten ist, habe ich bereits ausgeführt. Ich suche keinen Konflikt, es ging mir um eine präzise Darstellung des Sachverhaltes, damit Betroffene zwischen Fakten und Vermutungen unterscheiden können. Mut machen wollen alleine reicht nicht.

    Wenn Sie Ihren Gegenüber anfordern, seinen Tonfall zu mäßigen, sollten Sie ebenfalls darum bemüht sein. Ich habe von meinen Hunden schon eine Menge gelernt, aber diese Verhaltensregel stammt aus meinem Elternhaus. 🙂

    Ich denke, wir lassen es jetzt dabei. Die Informationen sind nun vollständig und persönliche Anfeindungen und Rechthaberei sind dem Thema nicht angemessen.

    • Ich war ganz freundlich und offen, und dann kam von Ihnen, mein Text wäre “grenzwertig”, und dies: … “Tun Sie uns und sich selbst in solchen Dingen demnächst einen Gefallen …”

      Diesen Tonfall finden Sie angemessen? Hm.

  10. Petra Münich

    Danke für diesen und die vielen anderen informativen Artikel. Zudem begrüße ich es, dass eine andere Meinung als zur Zeit Mainstream, vertreten wird. B.A.R.F ist mitnichten eine einfache Angelegenheit, wie es häufig und zum Teil mit religiösem Eifer betrieben und vertreten wird. Mir hat das Buch Hunde Barfen von Julia Fritz wichtige Denkanstöße und Einsichten vermittelt.

  11. Bettina Bodner

    Sehr geehrte Frau von der Leyen!

    Vorab – ich oute mich gerne als eingefleischter Fan Ihrer stets kurzweiligen Artikel. Auch in diesem fall treffen Sie überwiegend ins Schwarze. Ein sehr umfangreicher Artikel zu einem sehr heiklen Thema. Gerade in den Sozialen Netzwerken gilt die biologisch artgerechte (Roh-)Fütterung in entsprechenden Gruppen beinahe als Religion, davon liest man immer wieder. In einschlägigen Magazinen und Büchern, auf Seiten davon entnervter Tierärzte im Besonderen.

    Der Argumentation dass Tierärzte aufgrund dessen, dass ihnen selten gesunde sondern überwiegend kranke Hunde vorgestellt werden, dieser Fütterungsmethode häufig nur wenig abgewinnen können, kann ich sehr viel abgewinnen. Wenn ich mich allerdings auf diversen Universitätsseiten, Tierarztseiten oder auch auf der Seite des Europäischen Kollegs für tierärztliche und vergleichende Ernährung (Link: http://www.esvcn.eu/college/positions) umsehe oder in einer Praxis sitze und mir ein Futtermittelhersteller immer und immer wieder aufs Auge gedrückt wird, dann komme ich – so sehr ich es auch möchte – nicht umhin, einen gewissen Zusammenhang zu vermuten. Interessanterweise sind auf der Homepage des oben besagten Kollegs zahlreiche Jobs bei einem der größten Futtermittelhersteller ausgeschrieben. Mit Verlaub – Unabhängigkeit sieht für mich anders aus.

    Kommen wir zurück zum Schäferhund mit dem eklatanten Zinkmangel. Die Inhaltsangaben der Futtermittel können leider nach wie vor nur die wenigsten Hundehalter interpretieren. Nur die wenigsten wissen, dass sich hinter Worten wie “Lignozellulose” eine Holzfaser verbirgt oder dass “Rübenschnitzel” nichts hochwertiges, sondern Reste der Zuckerherstellung und zuckerhaltig sind, wenn sie nicht extra entzuckert wurden. Ich kann bei Futter, welches sonst zur Fütterung von Nutztieren (Pflanzenfressern) eingesetzt wird den eklatanten Vorteil ggü Barf leider nicht erkennen.

    Die Kommentare unter Ihrem Artikel lassen schon erahnen, wo das Problem bei solchen Artikeln respektive Headlines liegt: viele Leser lesen hier nun “BARF – Mangelsyndrom – schwere gesundheitliche Schäden” und argumentieren nun schon, wie froh sie sind, dass sie ihrem Hund das hochwertige Futter vom Tierarzt füttern. Hochwertiges Futter vom Tierarzt. Angereichert mit einer schmackhaften Holzfaser und verfeinert mit Rübenschnitzeln, zuckerhaltig und für den Hund völlig wertlos. Aber ein günstiges Füllmittel und perfekt als Diätfutter geeignet, um dem Hund ein schnelles Sättigungsgefühl zu verleihen. Es ist, als würde man die Fast Food-Kette dem Wochenmarkt vorziehen.

    Sicher, BARF bedeutet definitiv nicht den Hund überwiegend mit Fleisch zu ernähren. Es bedeutet, sich mit der Ernährung des Hundes, des besten Freund des Menschen, auch über das Öffnen des Futtersackes hinaus für wenigstens eine halbe Stunde am Tag zu beschäftigen. Im Vorfeld etwa drei bis vier Stunden in das Lesen entsprechender Literatur und einen Besuch beim Ernährungsberater des Vertrauens zu investieren, um sich über die Ernährung zu informieren und von Großkonzernen nicht so langsam über den Tisch ziehen zu lassen, dass man die Reibung dabei als Nestwärme empfindet.

    Was mich am meisten wundert, dass ich in all den alten und neuen Diagnosen keine Untersuchung in Richtung einer Schilddrüsenunterfunktion finde. Lediglich “zeitweise Thyroxinsubstitution zu Verbesserung der aktuell zu niedrigen Werte” – ist die Schilddrüse nun kaputt oder nicht? Eine plötzliche Restitution ist gerade bei der Schilddrüse leider nicht möglich. Der Hund zeigt eigentlich Lehrbuchsymptome. Brillenartigen Haarausfall um die Augen, verdickte Haut, eitrige Pusteln, Kratzen … und wie so oft werden Hautgeschabsel gemacht, in alle Richtungen wird untersucht nur die Schilddrüse findet offensichtlich keinerlei Beachtung. Klingt haargenau nach meinen Erfahrungen. Meine Dobermannhündin zeigte exakt die gleichen Symptome. Tierarzt Nr 1 machte Hautgeschabsel, nahm Blut und landete am Ende doch bei der Unverträglichkeit und dem Spezialfutter, das es glücklicherweise in jeder erdenklichen Sorte für jedes erdenkliche Gesundheitsproblem gibt. Mit annähernd 100 Euro weniger (das Argument, dass Barf teuer wäre treibt mir im Nachhinein regelmäßig ein Schmunzeln auf die Lippen) und einem Futter, dass nicht annähernd zur Genesung beitragen kann, wurden wir verabschiedet. Nach unzähligen weiteren erfolglosen Besuchen, kam auch bei uns der Tierarztwechsel. Auch ein zweites und drittes Mal. Erst Tierarzt Nummer vier befasste sich näher mit der Schilddrüsenproblematik und wusste, dass Werte, die bei einem Hund mit derartigen Symptomen im Keller waren, da auch bleiben würden und nur eine lebenslange Substitution mit Schilddrüsenhormonen die so lange erhoffte Besserung bringen würde. Zum damaligen Zeitpunkt wurde der Hund übrigens – trotz aller Gefahren (Achtung Ironie) – auch auf Barf umgestellt und bis heute sind wir dabei geblieben. Ich darf zitieren: “Selen- und Zinkmängel, wichtige Spurenelemente für den Schilddrüsenstoffwechsel, treten häufig gemeinsam mit einer Schilddrüsenunterfunktion auf.”

    Bei Urlauben oder Engpässen greifen wir trotzdem nach wie vor gerne auf hochwertige Fertigfuttersorten zurück. Für mich ist Barf keine Religion. Es ist schlicht die Möglichkeit meinen Hund artgerecht zu ernähren. Erst der steigende Druck durch immer aufgeklärtere Hundehalter, hat die Hersteller in den letzten Jahren dazu veranlasst umzudenken und zahlreiche hochwertige Produkte mit einem angepassten Fleischanteil hervorgebracht. Beim Tierarzt lassen sich diese großteils allerdings leider nach wie vor nicht finden.

    Mit lieben Grüßen,

    Bettina Bodner

    Herausgeberin
    YOUR DOG Hundemagazin

    • Kati Schneider-Körner

      Sehr geehrte Frau von der Leyen,

      ich kann mich eigentlich nur allem, was Bettina Bodner schrieb anschließen. Ich sehe die Futterproblematik genauso wie sie. Ist man als Hundehalter nicht in der Lage sich “selbst zum Experten” weiterzubilden hat man schlechte Karten, egal ob man zu Fertigfutter greift oder barft!
      Auch ich habe eine 2jährige Odyssee bei der Suche nach Hilfe für meinen Hund hinter mir. Vier Tierärzte, vier Meinungen aber alle waren sich sicher, daß der Hund kein Schilddrüsenproblem hat. Verschiedenste Ernährungsumstellungen und Therapien brachten keinen Erfolg. Ich habe letzten Endes einen TA gefunden, der bereit war, “den diagnostischen Versuch” mit mir mitzugehen und Thyroxin zu substituieren! Seitdem sind sämtliche Symptome verschwunden. Wir brauchen mehr Tierärzte, die sich allseits weiterbilden, sich nicht kaufen lassen und ganzheitlicher/systemischer denken.
      Allein mir fehlt der Glaube, daß sich da was ändern wird. Wenn Geld verdienen doch so bequem sein kann. Die tierischen Patienten mit chronischen Beschwerden werden weiter zunehmen und und die Praxen füllen, sei es durch unpassende Ernährung, fehlende Prophylaxe, schlechte Diagnostik uvm…

      Liebe Grüße
      Kati Schneider-Körner

  12. Danke wieder einmal für den Artikel. Ich persönlich für mich gesprochen finde es wahnsinnig anstrengend meine Hunde zu barfen. Nicht wegen der Zubereitung sondern weil ich drei komplett unterschiedliche Hunde mit unterschiedlichen Bedürfnissen habe. Ich will mich nicht andauernd mit jeglichen Zusammensetzungen auseinander setzen in der Hoffnung, dass alles gut raus kommt, was ja eh erst am Ende des Hundelebens abgerechnet wird.

    Es ist wohl wie beim Fussball – jeder Fan ist ein Trainer und weiss alles am besten. Das ganze Barfen ist mittlerweile eine Religion mit extremistischen Zügen. Ich halte mich da raus und verwende ein sehr gutes Fertigfutter nass und trocken mit viel Fleischanteil und ausgewogenen gesunden Zutaten. Ich lasse mich dazu von einer Tierheilpraktikerin beraten mit dem Resultat, dass meine Drei noch nie krank waren. Zwischendurch gibts auch mal Rohfütterung und Knochen, das aber mehr, damit etwas Abwechslung in den Napf kommt und dann brauchts auch keine Mineralien-Vitamine-Etc-Kenntnisse.

    Es gibt mittlerweile einige sehr hochwertige Fertigprodukte auf dem Markt, da ist es kaum schwierig sein Tier gesund zu ernähren ohne einen Doktortitel zu erwerben.

  13. Hallo,
    habe gerade diesen sehr interessanten Artikel gelesen. Und überhaupt diese Seite erst kürzlich entdeckt und finde sie sehr gut und interessant.
    Ich barfe meinen Mops von Anfang an (also 3 1/2 Jahre). Hab mich, so glaube ich, in das Thema sehr gut eingearbeitet. Natürlich lernt man immer noch dazu!
    Doch die Stelle “Rationsberechnungen oder so genannte B.A.R.F. – Profil” im obigen Artikel hat mich doch etwas beunruhigt, man will ja nichts falsch mach oder vergessen!
    Also meine Frage: wo lässt man am besten eine solche Rationsberechnung seriös machen?

    Beste Grüße und vielen Dank im voraus

    • Katharina

      Liebe Frau Schuster,
      die Tierärztin Dr. Julia Fritz hat ein sehr gutes Buch übers Barfen geschrieben, “Hunde barfen” im Ulmer Verlag, das nicht nur sowieso ein hervorragendes Buch ist, das ein fabelhaftes Nachschlagewerk ist und in dem sie viele Mythen erklärt und auflöst, UND sie erklärt, wie man eine Excel-Tabelle einrichten kann, um die Rationsberechnungen selber zu machen.
      Wenn Sie aber (wie ich) ein Zahlenlegastheniker sind, dann kann man die Rationsberechnungen auch von einem Fachtierarzt für Ernährung machen lassen (und ich rate unbedingt dazu, denn dann ist man auf der sicheren Seite und hat seine Ruhe, bis der Hund ganz offensichtlich seinen Stoffwechsel verändert – wenn er also acht, neun Jahre alt wird) – an der Ludwig-Maximilian-UNiversität in München, Abteilung Diätetik, oder an der Berliner UNiversitätsklinik, gleiche Abteilung, oder bei Dr. Gisela Bolbecher (http://tierisch-tierarztpraxis.de/praxis/team/tierarzte/dr-gisela-bolbecher/ Tel. 09133 – 2853), oder bei Dr. Fritz (http://www.napfcheck.de/ernaehrungsberatung/rationsueberpruefung.html – allerdings hat sie bis Anfang Februar Babypause). Es gibt sicherlich noch andere Tierärzte oder Ernährungsberater, aber das sind die, mit denen ich gewöhnlich zusammen arbeite, und die ich sehr zuverlässig, objektiv und seriös finde. Eine Rationsberechnung/überprüfung kostet ca. 130 Euro, aber wie gesagt: Dann wissen Sie wenigstens für die nächsten sieben, acht Jahre, was Ihr Hund braucht.
      Herzliche Grüße! Katharina von der Leyen

      • Ha, genial … Dr. Bolbecher ist sowieso meine Tierärztin.
        Da muss ich jetzt zu meiner Schande gestehen, dass ich nie auf die weiteren Leistungen dieser Praxis geachtet habe!!!

        Vielen lieben Dank!

  14. Laurence Wuillemin

    Grüß Gott aus München,

    meine Hündin ist 11 und sie wird durch mich ernährt… was sie bis jetzt nicht geschadet habe.
    Sogar meine TÄ (wie ihre Kollegen in der Gemeinschaftspraxis) meint: sie wird gezwungen auf BARF zurück zu greifen, da immer mehr Hunde allergisch werden.

    Als ich die Bilder oben und unten sah, dachte ich, es kann nicht der gleiche Hund sein: Er hat oben ein rotes Fell auf dem Kopf, unten ist er schwarz und hell…

    Ich bin in München nicht die Einzige, die barft und alle Hunde sind putzmunter… deshalb versteh ich diese Attacke auf diese Methode nicht.

    aber ich bin vielleicht fehl am Platz 😉

    • Katharina

      Es ist tatsächlich derselbe Hund. Ich habe das Protokoll von einem dermatologisch sehr versierten Berliner Tierarzt.
      Ich “attackiere” das Barfen keineswegs und halte es für eine sehr gute Art, Hunde zu ernähren – aber man muss es eben richtig machen. Nicht sehr viele Leute wissen tatsächlich, was sie tun, wenn sie barfen – und es ist eben nicht ausgewogen, dem Hund einfach willkürlich Fleisch und Gemüse füttern und glauben, damit sei eine ausreichende Nährstoffversorgung erreicht – und das stimmt eben nicht. In diesem Protokoll geht es ja darum, dass der Hund ein massives Zink-Mangelsyndrom hat: Und Zink ist nun einmal hauptsächlich in Blut und Haaren enthalten, also lauter Dingen, die wir heutzutage nicht mehr füttern wollen. Es ist unmöglich, eine ausgewogene Futterration durch Barfen herzustellen, wenn man nicht zusätzliche Nährstoffe dazu gibt (Vitamin D4, Zink, Kupfer, sehr häufig Selen), außer, man füttert ein ganzes Kaninchen oder eben ein ganzes Huhn.
      Das Problem mit vielen Tierärzten (wie übrigens auch Allgemeinmedizinern aus dem Humanbereich) ist, dass sie von Ernährung nicht viel wissen. Fachtierärzte für Ernärhung sind selten. Aber auch ein “normaler” Allgemeinmediziner im Humanbereich ist eben kein Ernährungsspezialist und weiß entsprechend oft die Lösungen in diesem Bereich nicht (man kann ja auch nicht alles wissen). Ich selbst bin mit einigen meiner Hunde von Pontius bis Pilatis marschiert und habe erlebt, wie die unbeschreiblichsten Fehldiagnosen gestellt wurden: Einem meiner Hunde wurde (mit zehn Wochen!) unterstellt, er habe eine Allergie (gibt es nicht in dem Alter) – und erst zwei Jahre später hat endlich ein Tierarzt erkannt dass es eine Bauchspeicheldrüsenschwäche war, die man im Blut eben nicht feststellen kann. Auch der in diesem Bericht geschilderte Hund musste ja durch eine lange Geschichte von Fehldiagnosen, bis das ink-Mangelsyndrom (das gar nicht so selten ist) erkannt wurde.
      Mangelerscheinungen sieht man häufig erst sehr spät (sehen Sie sich 25jährige Kettenraucher an, und dann die gleichen Kettenraucher nochmal mit 45). Und nach meiner Erfahrung wird sehr vielen Hunden eine “Allergie” unterstellt (was auch schon Unsinn ist, denn echte Allergien kommen bei Hunden nur zu 2 Prozent vor, der Rest sind Unverträglichkeiten), dabei fehlt ihnen einfach nur Zink.

  15. Ich bin doch immer wieder erstaunt wie oft Menschen Angst davor haben ihren Hund zu füttern. Und das es auch immer wieder Menschen gibt die diese Angst schüren. Will ich kein Fertigfutter füttern muss ich unbedingt die Ration von einem Ernährungstierarzt überprüfen lassen. Der alles was er über Ernährung weiß auch bei den üblichen Futtermittelherstellern gelernt hat.
    Für mich also nicht wirklich vertrauenswürdig.
    Der im Beitrag genannte Hund, wird ja nicht von jetzt auf gleich in einen derart schlechten Zustand gekommen sein. Wie ich gelesen habe, hatte er auch Hodenkrebs. Der offensichtlich auch länger unbehandelt blieb so wie alle anderen Erkrankungen. Zwischen den Zeilen konnte man lesen das der Hund sehr wahrscheinlich eine SD-Unterfunktion hat.
    SD-Unterfunktionen führen recht häufig dazu das Nährstoffe aus der Nahrung nicht oder nicht richtig aufgenommen werden und so Mangelsituationen entstehen. Meist fehlen in der Unterfunktion Vit.D,B, Zink, Selen häufig auch Eisen und Magnesium.
    Ich denke nicht das die Art der Fütterung schuld an dem Zustand des Hundes hatte sondern eher die nicht behandelte Unterfunktion.
    Und glaubt man der Stiftung Warentest, dann sind die meisten Fertigfutter nicht ausreichend um den Hund mit allen Nährstoffen zu versorgen. Einige fördern im Dauergebrauch sogar Erkrankungen. Aber ein Tierarzt lebt ja von kranken Tieren. Dazu kann sich jetzt jeder selbst seine Gedanken machen.
    Mein jetziger Hund wird im November 10 und sieht den Tierarzt maximal zum Impfen alle 3 Jahre oder wenn er eine Verletzung hat aber nicht weil er krank ist. Und er frißt überwiegend rohes von mir zubereitetes Futter und Essensreste und ganz selten mal Fertigfutter. Wie die Hunde davor auch. Und ich habe die Rationen nie von irgendeinem Institut überprüfen lassen. Genauso wenig wie ich meine Ernährung nie überprüfen lassen habe, auch nicht die meines Sohnes. Was haben die Menschen nur gemacht als es noch kein Fertigfutter gab?
    Nur Fleisch und Gemüse ist aber in der Tat nicht ausreichend. Auch für Menschen nicht. Wobei der Mensch im Verhältnis zum Hund weniger Kalzium braucht. Irgendwelche Ergänzungen gibt es für den jetzigen und gab es für die Vorigen Hunde nicht. Einzig Vitamin D substituiere ich.

    • Ich habe keineswegs die Dinge, die ich über Ernährung weiß, von Fertigfuttermittelherstellern gelernt. Stattdessen beschäftige ich mich seit Jahrzehnten sehr genau mit dem Thema und habe viele, viele Interviews und Gespräche mit Fachtierärzten für Ernährung geführt, unendlich viel Literatur gelesen und aus lauter Frustration über herkömmliche Futtermittel irgendwann angefangen, mein eigenes herzustellen. Wir geben jede Rezeptur in die Laboranalyse und sind jedesmal sprachlos, wie viele Spurenelemente trotz akribisch ausgeklügelter Rezepte fehlen, wie hoch teilweise der Fettgehalt ist, wie oft Jod über- oder unterdosiert ist. Entsprechend lassen wir für jede einzelne Sorte einen eigenen Nährstoffzusatz erstellen.
      Sie können Ihre oder die Ernährung Ihres Sohnes nicht mit der von Haushunden vergleichen: Menschen haben viel mehr Möglichkeiten, sozusagen beiläufig ihren Nährstoffbedarf zu decken: Hier einen Apfel, da ein Vollkornbrot, dort einen Haferbrei. Die meisten Hunde fressen jahraus, jahrein das gleiche Futter, sind also abhängig davon, dass der Besitzer das Richtige füttert. Vielen Hunden sieht man Mangelerscheinungen nicht an – wenn der Hund genügend Öl bekommt, glänzt sein Fell, und der Mensch denkt, alles sei in Ordnung. Auch dem Menschen sieht ma Mangelerscheinungen erst nach vielen Jahren an – sehen Sie sich einen Kettenraucher mit 25 an, und dann den gleichen Kettenraucher mit 45. Zinkmangel ist ein häufig auftretendes Syndrom, denn Zink ist nicht ausreichend in Fleisch enthalten, sondern hauptsächlich in Haaren und Blut – Dinge, die wir heutzutage keinesfalls mehr in unserem Hundefutter verarbeitet wissen wollen.
      Stiftung Warentest hat den Test durchgeführt, um zu beweisen, dass die meisten Hundefuttersorten den Hund eben nicht ausreichend für ein ganzes Leben versorgen können. Wieso glauben Sie dann, dass dagegen Ihre Rationen, die Sie “pi mal Daumen” für Ihren eigenen Hund erstellen, ausreichend sind? Tatsache ist, dass heutzutage zunehmend viele Hunde unter Unverträglichkeiten und Allergien leiden. Tatsache ist mittlerweile auch, dass viele, viele der Hunde, die bei denen diese Diagnose geleistet wird, in Wirklichkeit unter Nährstoffmängeln leiden – und zwar vor allem Zink. Zink ist außer Biotin das Spurenelement, das die Haut versorgt. Es ist aber schwer, Zinkmangel nachzuweisen, denn im Blut können keine “Depotbestände” nachgewiesen werden.
      Es ist wunderbar, dass Ihr Hund ganz offensichtlich keinerlei Mängel zeigt – es beweist aber nicht, dass er keine hat, und auch nicht, dass es anderen Hunden bei seiner Ernährung genau so gut gehen würde.

  16. Stimmt, das reine Aussehen beweist leider nicht das alles richtig ist. Und mit Sicherheit ist auch nicht jeden Tag jeder Nährstoff Bedarfs deckend im Futter. Das ist es aber bei keinem Lebewesen.
    Bei Hunden wird ein Riesen Hype darum gemacht das es nicht möglich ist mit selbst zusammen gestellten Rationen Bedarfs deckend zu füttern. Ich bezweifle das. Es ist nicht wichtig das tgl. alle Nährstoffe abgedeckt sind aber über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen sollte alles abgedeckt sein und das kann man durchaus schaffen.
    Und wie Sie schon sagten, es ist nicht wirklich möglich über eine Blutuntersuchung Mängel festzustellen, außer einige Vitamine.
    Es läßt sich aber durchaus feststellen ob der Körper so funktioniert wie er sollte. Was dann durchaus ein Hinweis ist das es keine oder zumindest keine gravierenden Mängel gibt. Zink und Biotin sind wirklich sehr, sehr wichtig. gerade auch deshalb weil ich einen Langhaar Hund habe(Collie). Soweit ich das beurteilen kann sind sein Fell und seine Haut intakt. Bisher hatte seine behandelnde Tierärztin jedenfalls noch nichts an seinem Gesundheits Zustand zu bemängeln. Mein Hund ist schwer Gelenkskrank, HD und Spondylose. Er ist damit jetzt 10 Jahre alt geworden ohne dauerhaft Schmerzmittel nehmen zu müßen. Vor 6 Jahren bekam er eine Pfannendachplastik. Aber die Arthrosen in den Hüften sind deshalb ja nicht weg. Ich denke schon das es ihm so gut geht liegt an der angepassten Ernährung. Natürlich muß man sich informieren was wo drin ist und auch in etwa wissen wie viel von was der Hund braucht. Mit nur Fleisch und ein bißchen Gemüse ist es in der Tat nicht getan.
    Je nach Lebensabschnitt und Gesundheitszustand muß man die Ernährung anpassen. Er frißt jetzt durchaus anders als zu Welpen Zeiten. Und leider mag er vieles nicht. Suaermilchprodukte sind für ihn ein NoGo und Fisch führt zur vollständigen Verweigerung. Es ist durchaus nicht unmöglich einen Hund mit selbst zubereitetem Futter gesund zu ernähren. Und das ist ja das schöne an dem selber machen dass man das Futter für jeden Hund anpassen kann.
    Das ein Hund mit Fertigfutter durchaus 15 Jahre alt in gutem Gesundheitszustand werden kann und wird beweist aber auch nicht das er keinerlei Mängel hatte.
    Ich finde es einfach furchtbar das man den Menschen ständig Angst macht das es unmöglich wäre einen Hund gesund zu erhalten wenn man nicht Futter XY füttert.
    Bei dem Riesen Angebot an Fertigfutter wüßte ich überhaupt nicht mehr was ich meinem Hund geben sollte. Trockenfutter rührt er gar nicht an und Dosen frißt er maximal eine Mahlzeit. Ginge es nach ihm könnte ich ihm jeden Tag Pizza und Grillhähnchen geben oder rohe Hühnerhälse.

    • Liebe Frau Brosé, z.B. an den großen veterinärmedizinischen Fakultäten für Dietetik wie den Unikliniken in München, Berlin oder Leipzig, z.B. Oder bei Dr. Julia Fritz, http://www.napfcheck.de.
      Herzlich, Katharina von der Leyen

  17. Also die Art der Fütterung würde ich aber auch nicht barfen nennen. Wo bleibt der Fisch?Die Knochen? Die Leber (VitA) etc? Mein Hund hatte hingegen von einem Trockenfutter einen Zinkmangel. Außerdem verträgt er keinerlei Fertigfutter(auch kein Anallergenic, kein Hills z/d usw..). Mit Rohfütterung gehts ihm endlich längere Zeit gut, ich hab mich aber auch intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, man studiert ja nicht umsonst Tiermedizin…aber wehe ich erwähne auf der Uni wie ich meinen Hund füttere, geht ja garnicht! Lieber gehe ich das (relativ geringe, da gut informiert)Risiko ein, eine Mangelversorgung zu produzieren, als ihn lebenslang mit Apoquel oder Kortison zuzuhauen…

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