Endlich Platz! im Weißen Haus

Ein Hund ist nicht nur für eine Amtszeit, Mr. Präsident, sondern fürs ganze Leben

Endlich Neuigkeiten, die das Herz bewegen: Zwischen den eher unschönen Nachrichten von einem 1,75 Billionen Dollar-Haushaltsdefizit und dem Verzicht eines Raketenschilds in Osteuropa ließ das Weiße Haus offiziell verkünden, welche Hunderasse Familie Obama nun gewählt habe. Ein Portugiesischer Wasserhund soll es sein.
Wohl keine andere Regierung würde dem Hündchen eines neu gewählten Amtsinhabers eine so große Bedeutung beimessen: „Bundeskanzlerin Merkel hat sich entschlossen, einen Hamster anzuschaffen. Ein Regierungssprecher bestätigte, die Kanzlerin habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht” ist eher keine Pressemitteilung, mit der man hierzulande in Zukunft rechnen sollte.
„Wenn du in Washington einen Freund brauchst, schaff’ dir einen Hund an”, sagte der 33. Präsident der USA, Harry Truman einmal. Er hätte auch sagen können: „Ohne Hund machst du dir keine Freunde in Washington.” 33 seiner 41 Kollegen hielten sich daran. Die Hunde des Weißen Hauses haben eine größeren Job, als Herrchen bei Laune zu halten: sie haben diplomatische Aufgaben, de-eskalieren politische Krisen und verbreiten Menschlichkeit.
Die Frage nach der richtigen Rasse ist dabei enorm wichtig. Es war kein Zufall, dass Bill Clinton ausgerechnet einen braunen Labrador hatte, erste Wahl auf der Liste der Lieblingsrassen der Amerikaner. Mit einem sehr großen Rasse, einer Dogge oder Bernhardiner, könnte man dem Präsidenten Großmannssucht unterstellen. Terrier sind lebhaft und frech, vergessen sich aber auch leicht mal: Der Hund könnte zum diplomatischen Pulverfaß werden, sollte der Versuch des Iranischen Botschafters, ihm über den Kopf zu streicheln, von dem Hündchen als Kriegserklärung gewertet werden.
Obamas Vorbild, der Gegner der Sklaverei Abraham Lincoln hielt sich politisch-korrekt einen Mischling namens Fido. Ein Mischling würde Obamas Image noch unterstreichen, aber da sind die Allergien von Obamas Tochter Malia zu bedenken, also muss es eine Rasse sein, die nicht haart, kein genetisches Überraschungsei. Vom Pudel war lange die Rede, aber Richard Nixon hatte einen, und diese Assoziation kann sich kein Demokrat erlauben. Nun also ein Portugiesischer Wasserhund, eine Rasse, mit ausgeglichenem Wesen und schönen Augen, die noch kein Präsident vor ihm hielt, ein Exot zwar, aber der Hund der portugiesischen Fischer: Ein mit allen Wassern gewaschener Proletarier also. Nach Obamas Slogan „Change we can believe in” nun ein Hund, an den wir glauben können.

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