Oben ist die Luft dümmer

bildvom 21.2.10

An einem frühen Sonntagmorgen im Februar wollte ich mit meinem 5-kg-Hund Harry von München nach Berlin fliegen. Wir folgten damit gewissermaßen der Route von Konrad III. , dem Bruder Friedrichs des Einäugigen, der im Jahr 1128 eine beschwerliche Reise von Sachsen bis zu den Alpen machte. Die hatten es damals noch leicht. Wir dagegen mussten die Route über den Münchner Flughafen nehmen.
Selbst an guten Tagen ist der Münchner Flughafen nicht besonders kundenfreundlich. Er wurde Ende der 80er außerhalb der Stadt am Rande des Raum-Zeit-Kontinuums erbaut, so dass man unglaubliche Strecken zu den Abflug-Gate zrücklegen muss. Es gibt ein Rollband, das dem Reisenden allerdings auch keine Zeit spart, weil es sich etwa im Tempo eines Wasserbüffels bewegt, der sich durch das Verdauungssystem einer Anakonda quetscht.
Dieser Tag war kein guter Tag: Als wir am Münchner Flughafen ankamen, passierte etwas Unglaubliches, so Außergewöhnliches, dass niemand aus dem Luftverkehrsbereich dies hätte vorhersehen können: Schnee. Mitten im Winter! Wer hätte das geahnt? Gottseidank gab es am Flughafen einen Schnee-Notfallplan. Teil dieses Plans war allerdings offenbar, dass die Flugzeugabfertigung an Dick und Doof übergeben wurde.
Am Gate informierte uns das Bodenpersonal, unser Flugzeug habe Verspätung. Die hatte es eine Stunde später immer noch. Nach weiteren eineinhalb Stunden kam das Flugzeug endlich, wir stiegen ein in der Hoffnung, noch vor Einbruch der Nacht an unserem Reiseziel anzukommen. Allein: Das Flugzeug rührte sich nicht. Nach einer Stunde meldete sich der Kapitän, um uns den wertvollen Hinweis zu geben, wir würden mit Verspätung starten. Mittlerweile waren drei Stunden vergangen, und Harry wurde unruhig in seiner Tasche zu meinen Füßen. Ich öffnete den Reißverschluß ein wenig, damit er den Kopf herausstrecken konnte. Eine Stewardess verteilte winzige Tüten bröseligen Inhalts mit dem launigen Aufdruck „Snack-Gebäck”, weil man den Passagieren nicht sagen kann, dass man ihnen Hamsterfutter gibt. „Der Hund muss aus Sicherheitsgründen in der Tasche bleiben”, sagte sie, als hätten wir keine anderen Sorgen. „Er bleibt in der Tasche, ich wollte nur, dass er ein bisschen Licht bekommt”, meinte ich. Die Stewardess guckte hektisch. „Die Tasche muss geschlossen bleiben”, sagte sie. „Andere Passagiere könnten sich bedroht fühlen.” Harry sieht aus wie eine Mischung aus Vogel und Pereskop und völlig ungefährlich; aber ich stopfte ihn zurück in seine Tasche, bis die Stewardess sich wieder dem Verteilen des Hamsterfutters widmete. Schließlich erklärte der Kapitän, die Tragflächen unseres Flugzeugs seien vereist, wir müssten leider umsteigen, wir würden um 14.41 abfliegen. Der neue Flieger war in einem Terminal am anderen Ende des Flughafens, wo wir um 14.39 Uhr mit hängender Zunge an kamen: Punkt 14.41 Uhr schlossen sich die Türen, die Motoren ertönten – und gingen gleich wieder aus. Der Pilot erklärte, wir hätten eine Mindestwartezeit von DREI STUNDEN vor uns, weil vor uns noch ca. 40 Flugzeuge enteist werden müssten, was offensichtlich von einem einzelnen Menschen mit einem Scheibenkratzer erledigt wurde. -Es gibt nichts Lustigeres, als mit einem Hund in der Tasche, der aufs Klo muss, einen Tag lang im Flugzeug zu sitzen, außer vielleicht einem hungrigen Kleinkind. So wie das in der Reihe vor uns. Der Pilot erlaubte uns schließlich, unsere Mobiltelefone zu benutzen, und ich erwog einen Moment lang, die Zyankali-Hotline anzurufen. Irgendwann, ungefähr acht Stunden, nachdem wir eingecheckt hatten, flogen wir schließlich los. Wir kamen völlig zermürbt in Berlin an. Mit einem Maulesel über die Alpen hätten wir nicht länger gebraucht.

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