Hündchen allein zuhaus

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vom 11.8.2013

Ich sage Ihnen jetzt mal etwas, was jeder Hund auf der ganzen Welt von Geburt an weiß: Ein Welpe, der allein gelassen wird, ist ein toter Welpe. Und selbst wenn diese Gefahr in einer warmen, gemütlichen Wohnung nicht besonders real scheint, glauben Hunde das bis heute. Es ist einfach gruselig, wenn ein Welpe im Wald von seinem Rudel verlassen wird und er damit zur leichten Beute wird für Schlangen oder Raubvögel oder was immer da in den Büschen lauert. Auch wenn die Büsche heutzutage Sofas und Sessel und Teppiche sind, und die Hündchen sich in der sicheren Wohnung befinden, ist es trotzdem vollkommen normal, wenn sie jammern und weinen und schlottern, wenn man das Haus verlässt.

Manche Menschen bekommen dann ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihren Hund alleine lassen müssen (auch keine gute Idee: Sie wissen, dass Hunde Angst riechen können. Tja – es hat sich herausgestellt, dass auch ein schlechtes Gewissen einen speziellen Geruch hat), und veranstalten großes Kino zum Abschied, küssen ihre Hunde, versichern ihnen hundert Mal, dass sie ganz bestimmt wieder kommen, und überschütten ihren Hund mit Keksen und Spielzeug. Kein Wunder, dass die Hunde ausflippen, wenn ihre Menschen dann das Haus verlassen.

Eine Möglichkeit wäre natürlich, einfach nie das Haus zu verlassen. Das wäre wahrscheinlich die einfachste Lösung. Falls das nicht geht, hilft es nichts: Man muss Hunden in aller Ruhe beibringen, dass sie nicht allein in der Wildnis zurückgelassen werden, nur weil man mal eben zum Briefkasten oder Einkaufen gehen muss. Üben Sie das Weggehen, indem Sie bei geschlossener Tür und ohne Hund im Schlepptau aufs Klo gehen. Machen Sie zwischendurch die Wohnzimmertür zu, wenn Ihr Hund im Flur schläft, wurschteln Sie geräuschvoll im Wohnzimmer herum, und machen Sie die Tür dann wieder auf. Gehen Sie in den Hausflur, sagen Sie kurz: „Bis gleich!“, schließen Sie die Haustür, gehen Sie im Treppenhaus auf und ab, und kommen Sie wieder herein, Machen Sie das noch mal. Und noch mal. Bis es für alle Beteiligten eine wirklich langweilige Übung wird und Ihr Hund nicht einmal mehr den Kopf hebt, wenn Sie nach draußen gehen.

Je sicherer Ihr Hund mit Ihren Abwesenheiten umgeht, desto länger werden die Zeiten, in denen Sie im Hausflur bleiben (nehmen Sie sich ein Buch mit). Und wenn Sie zurück kommen, machen Sie kein Theater. Keine Begrüßungsszenen, als wären Sie von der Titanic gerettet worden: Denn sonst gewöhnt Ihr Hund sich an, mit Spannung auf Ihren dramatischen Auftritt zu warten – und wenn Sie Pech haben, muss er diese Spannung abbauen, indem er die Tapete von der Wand pult oder ein Stuhlbein annagt. Irgendwo muss er ja hin mit der ganzen Aufregung. Also: Sagen Sie ganz ruhig Bescheid, dass Sie das Haus verlassen, und gehen Sie beiläufig. Ihr Hund wird lernen, dass es weder Tod noch Verderben bedeutet, wenn Sie mal ein bißchen ausgehen.

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