Lange Geschichte – Krallenpflege beim Hund

Überlange Krallen verändern die Standposition und das Gangwerk des Hundes. Sie können sogar Lahmheiten und Verletzungen auslösen, weil der Hund versucht, sich irgendwie so zu bewegen, dass nicht jeder Schritt unangenehm für ihn ist.

So sehr wir alle auf die Gesundheit unserer Hunde achten, uns darum sorgen, ihr glänzendes Fell und elastische Haut zu wahren, so sehr meiden die meisten das Thema der Krallenpflege beim Hund; sogar Tierärzte versuchen, sich um diese Aufgabe möglichst zu drücken.

Ich persönlich bin möglicherweise ein bisschen besessen von dem Thema, aber Tatsache ist: Ich sehe an beinahe jedem Hund zu lange Krallen – vor allem denen, die vornehmlich auf weichem Boden, d.h. Wald- und Sandboden laufen. Zu lange Krallen können brechen oder einreißen, echte orthopädische Probleme verursachen oder auch “nur” Schmerzen beim Laufen. Aussteller und Hundesportler wissen, dass Krallenpflege ultra-notwendig für ihre Hunde ist – aber auch alle anderen Hunde profitieren von kurzen, gepflegten Nägeln.

Die Pfoten unserer Hunde sind voller Nerven, die ihnen bei der Tiefenwahrnehmung helfen: Wo sein Körper sich eigentlich im Raum befindet und wie ihre Relation zum Boden ist (will heißen: Wo ist z.B. oben, wo unten). Wenn die Krallen des Hundes zu lang sind, kommen diese Botschaften im Gehirn allerdings durcheinander und verändern seinen Gang und seine Haltung. Ein Hund mit langen Krallen kann nicht mehr so stehen, dass seine Beine senkrecht auf den Boden treffen. Stattdessen wird er eine Haltung wie eine Ziege auf einem Felsen annehmen, bei der die Vorderläufe hinter der Senkrechten stehen und seine Hinterläufe unter ihm stehen, damit er nicht noch vorne überfällt.

Unterhält man sich mit Hunde-Physiotherapeuten oder – Orthopäden, bestätigen diese im allgemeinen, dass das Krallenschneiden ganz oben auf ihrer Liste steht.

Nicht ok! Das Weisse nach dem durchschimmernden rosa Blutgefäß ist deutlich zu lang

Nicht ok! Das Weisse nach dem durchschimmernden rosa Blutgefäß ist deutlich zu lang

Aus Gründen, die ich nie verstehen werde, behaupten viele Tierärzte immer wieder, die Nägel des betreffenden Hundes seien “noch ok”, auch wenn sie es längst nicht mehr sind. (Vielleicht liegt es daran, dass das Krallenschneiden mit manchen Hunden zu einem echten Ringkampf ausartet und dafür die Bezahlung im Verhältnis so gering ausfällt).

Dabei gibt es ganz sichere Zeichen, an denen man erkennt, ob es an der Zeit ist, die Krallen Ihres Hundes zu schneiden:

  • Die Krallen Ihres Hundes berühren den Boden, wenn er steht
  • Wenn Sie die Pfote Ihres Hundes hochhalten, ist die Kralle länger als der Ballen des dazugehörigen Zehs
  • Wenn Ihr Hund auf glatten Oberflächen läuft wie Parkett, Beton oder Kacheln, hören Sie bei jedem Schritt seine Krallen klicken
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Jeder Hund läuft seine Krallen unterschiedlich ab. In unserem Fall muss Fritz spätestens alle zehn Tage die Krallen geschnitten bekommen, Pixel alle zwei Wochen, Gretel und Harry alle drei Wochen, und Pflegehund Nano ist ein eigener Fall. Als ich ihn übernahm, stand er mit den Vorderläufen da wie eine Ente: Mit extremen Plattfüßen, die er nach außen stellte. Das sei bei Galgos sehr häufig so, wurde mir gesagt. Als ich mir seine Pfoten genauer ansah, fiel mir auf, dass die – rabenschwarzen – Krallen sehr lang waren. Galgos leben häufig auf Beton, in Nanos Fall der Fußboden einer Garage. Um die Krallenpflege kümmert sich kein Mensch: Je länger die Krallen auf hartem Boden werden, desto mehr verlagert der Hund sein Gewicht auf den hinteren Ballen – während er normalerweise auf allen Zehen und Ballen gleichmäßig steht. Seit sieben Wochen schneide ich seine Krallen nun regelmäßig zurück, und siehe da: Seine Haltung hat sich verändert, seine Plattfüße sind etwas besser geworden, sein Vorderbein trifft nun senkrecht auf den Boden auf.

Obwohl man häufig hört, dass Krallen nur einmal im Monat geschnitten werden müssen, ist es bei den meisten Hunden besser, sie alle zwei Wochen zu kürzen. Wer einen Stadthund hat, der viel auf Asphalt läuft, mag das Glück haben, dass dieser sich die Krallen von alleine “abläuft” – aber sehen Sie einmal genau hin, ob es nicht nur einzelne, bestimmte Krallen sind, die sich “ablaufen”, und die anderen dennoch zu lang sind. Sowieso scheinen die Krallen der Hinterläufe langsamer zu wachsen als die der Vorderpfoten.

Wo fängt das Leben in der Kralle an?

Das Grauen der meisten Hundebesitzer ist das Blutgefäß in der Kralle, das zusammen mit dem Nerv in der Krallenmitte liegt und die Kralle mit Blut versorgt. Wenn man hineinschneidet, kann das kurz weh tun und außerdem einigermaßen stark bluten. Wer einen Hund mit weißen Krallen hat, kann das Blutgefäß rosa schimmern sehen.

Bei Hunden mit schwarzen Krallen ist es unmöglich, das Blutgefäß aus dieser Perspektive zu erkennen. Wenn man die Kralle allerdings in kleinen Scheibchen schneidet und von vorne darauf sieht, kann man eine Veränderung des “Materials” erkennen, je näher man dem “Leben” kommt: Bei hellen Krallen erkennt man einen hellen oder rosa Punkt in der Mitte, bei schwarzen oder dunklen Krallen ist er grau oder schwarz.

In der Mitte der Kralle sieht man ein rosa Pünktchen - hier nicht mehr weiter schneiden

In der Mitte der Kralle sieht man ein rosa Pünktchen – hier nicht mehr weiter schneiden

Grauer Punkt in der Mitte zeigt an, dass bald das Blutgefäß anfängt

Der graue Punkt in der Mitte zeigt an, dass bald das Blutgefäß anfängt

Je öfter man die Krallen schneidet, desto weiter ziehen sich die Blutgefäße in der Kralle zurück. Das bedeutet also, dass man auch sehr, sehr lange Krallen (von Hunden, die z.B. aus Katastrophen-Haltungen stammen) mit regelmäßiger Pflege wieder in einen normalgesunden Zustand bekommen kann.

Auf Werkzeug und Technik kommt es an

Die am weitesten verbreiteten Werkzeuge zur Krallenpflege sind Krallenzangen und elektrische Krallenschleifgeräte.
Bei Krallenzangen ist es wichtig, dass sie sehr scharf sind und gut in Ihrer Hand liegen.

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Krallenzange

Gerade das “scheibchenweise” Schneiden ist mit diesen Dingern sehr einfach (wenn die Krallenschere auch wirklich scharf ist!).

Wenn man einen Hund hat, der beim Krallenschneiden herumzappelt, ist dagegen die Guillotine-artige Krallenschere schwieriger zu handhaben,  weil man die einzelne Kralle ersteinmal durch die Öse schieben muss. Das macht es komplizierter, “scheibchenweise” zu arbeiten.

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Guillotin-artige Krallenzange; etwas schwieriger zu bedienen

Für manche Hunde ist das Allerbeste ein Krallenschleifgerät:

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Krallenschleifer

Anfangs mag es ein bisschen kitzeln, aber viele Hunde (wie Fritz, der Krallenschneiden für eine perfide ausgedachte chinesische Foltermethode zu seinen Ehren hält) ist es die schnellste, sanfteste und effizienteste Methode.

 

Es gibt keine “richtige” Stellung, um einem Hund die Krallen zu schneiden: Sie müssen ausprobieren, was am besten klappt. Bei kleineren Hunden klappt es meistens ziemlich gut, sie auf den Schoß zu nehmen, die Pfote in der einen Hand zu halten und die jeweilige Kralle zwischen Daumen und Zeigefinger. Bei anderen Hunden wartet man, bis sie müde und entspannt sind; wieder andere kann man nur “bändigen”, indem einer den Hund hält und mit Leberwurst füttert, während Sie ihm die Krallen schneiden.

Tipps zum Schneiden mit einer Krallenschere

  • Bevor Sie anfangen, legen Sie sich einen so genannten “Höllenstein” aus Silbernitrat zurecht, um im Falle eines Falles die Blutung zu stillen (Silbernitrat besitzt antiseptische und adstringierende Eigenschaften), oder ein anderes, stärkehaltiges Puder/Pulver wie z.B. Mehl, Stärke oder ein Stück Seife. Auf die blutende Stelle aufgetragen wirken sie sofort. Sollten Sie eine Blutung verursachen, regen Sie sich nicht auf. Streuen Sie schnell das jeweilige Pulver auf die offene Stelle. Ihr Hund wird es überleben, und Sie auch!
  • Halten Sie die Pfote Ihres Hundes nicht zu fest – sonst tun Sie ihm noch weh, und er zieht seine Pfote zurück, weil ihm das Festhalten unangenehm ist – nicht die eigentliche Prozedur.
  • Beginnen Sie damit, die offensichtliche Überlänge mit einem groben, senkrechten Schnitt abzuschneiden – nicht in dem 45 Grad-Winkel, der üblicherweise gemacht wird.Bei einem schwarzen Nagel wie beschrieben in kleineren Scheibchen, bis Sie den grauen oder schwarzen Punkt in der Mitte sehen können.
  • Runden Sie die Ecken mit kleinen Schnitten ab. Ohne Scheu: Das Blutgefäß liegt, wie beschrieben in der Mitte. Sie können Ihren Hund an den Kanten der Kralle nicht verletzen.
  • Manche Leute verwenden gerne zuerst die Krallenschere für den ersten, groben Schnitt, und runden die Sache anschließend mit dem Krallenschleifgerät ab.
  • Vorsicht beim Einsatz des Krallenschleifgeräts bei langhaarigen Hunden! Ein guter Trick ist es, die Pfote durch ein Stück Nylonstrumpfhose zu stecken, dann verwickeln sich die Haare nicht um den rotierenden Schleifstein.
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Da laufen sie wieder!

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