Leserbrief

Heute früh erreichte mich diese Email:

Sehr geehrte Frau Leyen,

veröffentlichen Sie doch einmal wieviele Lämmer, Kälber und Kaninchen im Lebenszyklus eines Hundes sterben müssen. Aus meiner Sicht ist der Käufer eines Hundes kein Tierfreund, er hat mit einem Lamm, Kalb und Kaninchen kein Mitleid. Hunderttausende Tiere müssen für den Hundewahn in Deutschland sterben.

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Freundliche Grüße

Dr. phil. Sophia Strauss

Sehr geehrte Frau Strauß,
in Anbetracht der gigantischen Hundefutterindustrie ist es leicht, einem solchen Irrtum aufzusitzen, dennoch ist die Ihre eine recht polemisierte Sicht der Dinge. Die Tierfutterindustrie ist eine Abfall-Industrie, d.h. wird aus den Fleischabfällen bestückt, die in der Lebensmittelverarbeitung für den Menschen keine Verwendung finden. Kein einziges Tier stirbt eigens für Tierfutter; stattdessen wird durch die Hunde- und Katzenfutterindustrie sicher gestellt, dass eine Komplettverwertung des Tier-Kadavers stattfindet, durch Ochsenpesel, getrocknete Rinder-, Schweine-, Kaninchenohren, Hühnerhälse, Kalbsfüße, etc.
Der „Hundewahn“, wie Sie ihn nennen, hält sich in Deutschland übrigens in Grenzen – die Anzahl der Hunde ist seit 1970 sogar leicht gesunken. Dass es so viele sind, kommt Ihnen nur so vor, weil Hunde weniger in Hinterhöfen und Zwingern gehalten werden und dadurch „sichtbarer“ sind.
Entgegen der Einschätzung vieler Menschen gibt es hierzulande sogar relativ wenige Hunde: nur in 8,9% der Haushalte wird ein Hund gehalten, wir liegen damit mit unserer Hundefreundlichkeit an vorletzter Stelle vor der Türkei. Zum Vergleich: In Frankreich werden in 38% der Haushalte Hunde gehalten.

Hundepopulation Deutschland

Ich hoffe, ich konnte Sie damit ein wenig beruhigen in Bezug auf die tier-unfreundlichen Hundehalter.

Mit freundlichen Grüßen, Katharina von der Leyen

heute ging der Austausch noch weiter:

Sehr geehrte Frau Leyen,

Sie haben ganz recht. Die Hauptursache für jährlich 500 Mio. Tierschlachtungen (ohne Fisch) ist der Mensch. Die 5 Mio. Hunde (Studie Universität Göttingen) verschärfen allerdings den Bedarf an Frischfleisch. Es ist sicher eine Frage der finanziellen Ressourcen der Tierhalter, ob fertige Tiernahrung aus Abfällen gekauft wird. Die Tiere in meinem Bekanntenkreis werden mit zubereitetem Fleisch von Fleischtheke gefüttert.

Ich verstehe natürlich Ihren Verteidigungsmechanismus. Sie identifizieren sich mit einer Hundekultur und verteidigen sie.

Einer Sache lobhudeln (Tierzucht zum Verzehr) die in sich völlig grausam und widerlich abstoßend ist, bedarf auch einer grausamen Grundhaltung.

Humanes Leben beginnt bei den Mahlzeiten. Das Töten in Kauf nehmen, ist abstoßend und nicht zeitgemäß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. phil. Sophia Strauss

Sehr geehrte Frau Strauss,

man kann natürlich jedes sachliche Gegenargument als „Verteidigungsmechanismus“ abtun – damit findet der Meinungsaustausch umgehend ein Ende, denn das Argument als solches lassen Sie ja gar nicht gelten.

Ich denke, dann sollten Sie sich eher mit den Hundebesitzern in Ihrem Bekanntenkreis auseinander setzen – der Durchschnittsbürger kauft ja nicht einmal Fleisch an der Fleischtheke, sondern abgepacktes Billigfleisch aus Massentierhaltung beim Discounter. Wenn es denn wenigstens Fleisch aus „anständiger“ Haltung wäre! Dementsprechend ist der Bedarf an Frischfleisch für Hunde nur sehr gering – es ist im Verhältnis der 5,3 Millionen Hunde in Deutschland ein sehr, sehr geringer Prozentsatz, der mit Frischfleisch ernährt wird. Der weitaus überwiegende Rest bekommt in Dosen zusammengekochten oder in Trockenfutter zusammengebackenen Restkram, wobei die Dose möglichst billig sein soll.

Was die Schlagwörter betrifft, die Sie auffahren – das ist ein großes gesellschaftliches Thema, das hier wirklich den Rahmen sprengen würde, und Sie haben Ihre Meinung ja bereits, niet- und nagelfest und unbeweglich.

Mit freundlichen Grüßen,
Katharina von der Leyen

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