Im Prinzip ist jede Diva ein Pudel

Meine Hunde haben überhaupt kein Problem mit Kameras und Öffentlichkeit. Sie werden beim Anblick von bekannten Schauspielern nicht hysterisch, und Fernsehauftritte steigen ihnen auch nicht zu Kopf: sie benehmen sich hinterher nachweislich noch immer nicht wie Lassie. Neulich spielten sie in der bayerischen Daily mit, „Dahoam is dahoam”, was übersetzt soviel heißt wie „Zuhause ist eben zuhause”, die in einem fiktiven Ort in Bayern spielt, wo es vor Skandalen, Herausforderungen, Bierkrieg und vollem Leben nur so brummt. Luise und Ida sollten in der Gaststube vom „Brunnerwirt” sitzen, während ich mit meinem TV-Ehemann frühstückte, und sich von dem jungen Gastwirtenkel mit Salami füttern lassen.

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Filmarbeiten bestehen zu ungefähr 85% aus Wartezeit, also hingen Luise, Ida, Harry und Fritz in der Lounge mit den Schauspielern herum, um einander besser kennen zu lernen und etwas zu fachsimpeln. Harry und Fritz begleiteten die Pudelmädchen nur als unübersehbare Entourage: Ihr Auftritt im Foyer des Produktionsgebäudes war jedenfalls deutlich größer, als von irgendeinem der eigentlichen Darsteller, die am Tag der offenen Tür letztes Jahr immerhin 15 000 Fans anzogen. Die Pudel zogen nur alle Aufmerksamkeit auf sich, womit sie wie echte Diven aber sehr professionell umgingen. Als sich Harry Blank, der in der Serie einen sexy Automechaniker namens Mike spielt, zu den Hunden setzte, nahmen sie seine Schmeichel- und Streicheleien mit lässiger Anmut hin. Ich dagegen bekam ganz weiche Knie, dabei wurde ich weder bestreichelt noch beschmeichelt. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich im Anschluß meine Hunde bei ihrem großen Auftritt unterstützen musste, und ich tatsächlich zwei Sätze sagen musste, die höchste Konzentration forderten: „Mein Mann schnarcht so, wir wollten sowieso zwei Einzelzimmer” war einer davon, und ich werde ihn nie vergessen: Gelernt ist gelernt. Luise und Ida erfüllten ihre Rollen hervorragend und akzeptierten ihre Salami mit der Grazie von Grace Kelly und Ava Gardner, und zwar wieder und wieder, denn es gab viele Wiederholungen. Das Set, wie alle Filmsets, summte nur so vor Geschäftigkeit, eine Armee von Filmcrewleuten schoben Kameras und Kabel herum und viele Teller mit Rührei und Aufschnitt, denn die Szene – die auf dem Bildschirm vielleicht 17 Sekunden dauerte, verlangte einen hohen Einsatz von Käse-und Wurststücken, die ich den Pudelinnen permanent ins Maul schob, um ihre professionelle Mitarbeit zu garantieren. In der Serie wird tiefstes Bayerisch gesprochen, aber meine Hunde kennen keine Sprachbarrieren: Als der Flori Brunner mich in der Szene fragt: „Derf i Eahna Hund’ wos gebm?” („Darf ich ihren Hunden etwas geben?”) ließen sie sich durch nichts ablenken und reagierten ohne die geringste Verzögerung. Die anderen Schauspieler machten es dem Filmteam da nicht so leicht. Sie hatten aber auch etwas mehr Text.
Am Ende des Tages verabschiedeten sich die Hunde ohne großes Getue. Obwohl sie filmstarhaft einige gebrochene Herzen zurückließen, schienen sie froh zu sein, als wir endlich zuhause waren. Dahoam is eben dahoam. Vielleicht war ihnen aber auch nur schlecht von dem vielen Aufschnitt.

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