Retten Sie Ihren Hund!

bildvom 2. Mai 10
Aus einem tiefen inneren Bedürfnis heraus werde ich heute eine reine Hundekolumne schreiben: Hier geht’s heute um medizinische Hundedinge und sonst nichts. Nicht-Hundehalter brauchen hier nicht weiterlesen in der Hoffnung, es würde an irgendeiner Stelle doch noch lustig: Wird es nicht.
Es ist nämlich nicht lustig, wenn Hundehalter glauben, sie könnten ihren Hund selbst behandeln. Dass sie ihre Hunde selbst diagnostizieren und dann mit aus dem Internet zusammengesuchten Informationen über eine mögliche Krankheit , die sie doktorarbeitähnlich zu 75-Seiten dicken Heftern zusammen gefasst haben, bei ihrem Tierarzt auftauchen und dann überzeugt sind, sie wüssten es nun mindestens so gut wie der Mann, der den Kram immerhin studiert hat (und zwar über Jahre, und nicht nur ein-, zwei Abende lang im Internet) – daran haben die meisten Tierärzte sich bereits gewöhnt. Aber Tierärzte WOLLEN sich nicht daran gewöhnen, wenn ihnen Hunde mit Leberversagen vorgestellt werden, weil Herrchen ihnen ein paar Paracetamol gegeben hat, nach dem Motto: „Was für den Menschen gut ist, kann für den Hund nicht schlecht sein.“ Falsch! Bei Hunden und Katzen ist die Leber mit einem anderen Enzymsystem ausgestattet wie beim Menschen, und dies hindert die Tiere daran, gewissen Substanzen ähnlich gut abzubauen wie wir. Eine Paracetamol-Tablette in der Dosierung für Erwachsene kann eine Katze das Leben kosten, beim Hund führt es „nur“ zu Leberversagen. Die meisten rezeptfreien Schmerzmittel für Menschen sind zwar für Menschen wenig gefährlich, können bei Tiere aber schon in geringer Dosis Magengeschwüre und Nierenversagen mit Symptomen von Erbrechen und Durchfall bis hin zu inneren Blutungen verursachen, ja sogar tödlich sein. Bei hoher Dosierung kommt es zu neurologischen Ausfällen. Der Hundebesitzer, der dachte, er könne bei der Eigenbehandlung irgendwelcher Schmerzen beim Hund billig behandeln, wird sich bald wundern: Um eine Paracetamol-Vergiftung zu behandeln, greift der Tierarzt zu Sauerstofftherapie, Bluttransfusion und ganz anderen Arzneimitteln, um die verkorksten roten Blutkörperchen wieder ins Lot zu bringen. Ähnlich problematisch ist der gutgemeinte Reflex, dem Hund bei Durchfall gleich mal eine Kohletablette zu verabreichen: Manchmal ist es nämlich ganz richtig, wenn die Viren oder Gifte möglichst schnell den Darm verlassen. Dagegen werden sie von der Kohle resorbiert, können vom Darm aufgenommen werden und den Körper länger schädigen. Und gleichermaßen ungeschickt ist es, Medikamente nach Gutdünken weiterzugeben, „weil der Hund meiner Nachbarin genau dasselbe hat“. Und das wissen Sie so genau, weil …?
Umgedreht sollten Sie übrigens die Medikamente, die Ihnen Ihr Tierarzt für Ihr Tier mitgegeben hat, nicht erst im Selbstversuch testen. Mein Tierarzt erzählte mir neulich, dass er einer Kundin ein Mittel für die Epilepsie ihres Terriers mitgegeben habe. Ein paar Tage später kam sie japsend zurück und beschimpfte ihn, das sei ja ein rechtes Teufelszeug, dass sie ihrem armen Hund natürlich NICHT geben würde: Sie habe es ausprobiert, und das Letzte, an das sie sich erinnern könne, bevor sie einen Tag später von ihrer Putzfrau geweckt wurde, sei gewesen, wie das Haus gegenüber langsam nach hinten weg kippte.
Möglicherweise war das allerdings auch sie selber. Wer weiß das schon genau.

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