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Stubenrein!

 Linoleum

Junge Hunde scheinen vor allem aus sehr viel Flüssigkeit zu bestehen: In den ersten paar Woche, manchmal Monaten ist man permanent damit beschäftigt, im gestreckten Schweinsgalopp mit dem Hündchen unterm Arm aus dem Haus zu rennen und ihn dann draußen für eine simple Tätigkeit zu loben, als hätte er den Nobelpreis verdient. Wenn etwas daneben geht, ist es immer menschliches Versagen: Welpen haben eine winzige Blase und können einfach nicht anhalten – je nach Rasse schaffen viele junge Hunde das zuverlässig sogar erst ab dem sechsten, siebten Monat. Mit gutem Zeit-Management und echter Konzentration ist Stubenreinheit aber durchaus zu schaffen: Welpen unter drei Monaten müssen etwa alle zwei Stunden aufs Klo; Welpen von drei bis vier Monaten alle drei Stunden, Welpen, die fünf bis sechs Monate als sind, etwa alle vier Stunden. Außerdem müssen sie gleich nach dem Aufwachen aufs Klo, und ca. 20 Minuten nach dem Fressen, Spielen oder Trinken, und dann noch einmal eine Stunde später.
Deswegen sind Hunde auch so gut für den Teint: Man ist viel mehr an der frischen Luft, als man je für möglich gehalten hätte.
Einen jungen Hund in der Stadt, ohne Garten oder in einem höheren Stockwerk stubenrein zu bekommen, ist allerdings ein Projekt der besonderen Sorte. Ihr Welpe braucht länger, um zu verstehen, was Sie eigentlich von ihm wollen, wenn Sie ihn erst auf den Arm nehmen, den Schlüssel schnappen, in den Flur rennen, vier Stockwerke hinunter galoppieren, durch den Hausflur stürmen, die Haustür aufreißen und ihn schließlich auf den Bürgersteig setzen: Wenn Sie Pech haben, hat er bis dahin überhaupt vergessen, dass er eigentlich aufs Klo musste (andererseits ist der Weg nach oben sensationelle Gymnastik: In vier Wochen werden Sie drei Kilo abgenommen und Pomuskeln aus Stahl haben).
Dazu kommt, dass der Welpe, wenn er gerade er bei Ihnen eingezogen ist, dem neuen Menschen noch nicht vorbehaltlos vertraut. Fremder Mensch, neues Leben, und dieser Mensch, den man sowieso merkwürdig findet, schleppt einen auch noch andauernd auf eine laute, unruhige Straße, auf der noch mehr Menschen herumlaufen, und womöglich noch Fahrräder, Roller und fremde Hunde unterwegs sind… Wie soll man sich da in Ruhe auf seinen Stuhlgang konzentrieren?
In solchen Fällen – oder wenn man einen sehr ängstlichen oder traumatisierten Hund zur Stubenreinheit erziehen möchte – lohnt es sich, die Welt des neuen jungen Hundes erst einmal möglichst klein zu halten, bis er belastbarer ist, und ihn an ein Hundeklo zu gewöhnen. Sie müssen trotzdem mit ihm nach draußen, drei- bis viermal am Tag, immer zu den gleichen Zeiten, um ihm eine Routine beizubringen. Anfangs sollte man mit einem Welpen sowieso nicht spazieren gehen, sondern mehr auf einer Wiese spazierenspielen, ihn in aller Ruhe an neue Eindrücke gewöhnen, ihm Sachen zeigen, in herumsitzen lassen, so dass er in aller Ruhe Muskulatur aufbauen kann und sich an den ganzen Stadtkrach gewöhnen, ohne dass Sie auch noch große Erwartungen an ihn stellen. Wenn er draußen aufs Klo geht, loben Sie ihn natürlich dafür, dass er diese großartige Idee hatte.
Legen Sie an eine gut erreichbare Stelle der Wohnung je nach Größe des Hündchens ein oder zwei Welpen-Pads (gibt es im Tierbedarfshandel und sehen aus wie dünne, rechteckige Windeln mit Plastikunterlage). Falls Sie eine sehr große Wohnung haben, müssen Sie wahrscheinlich erst einmal einen zweiten Kloplatz einrichten, weil ganz junge Hunde sich nicht immer merken können, wo’s lang geht. Wenn Sie vermuten, dass Fifi aufs Klo muß – nach dem Aufwachen, nach dem Füttern, oder wenn er plötzlich aus dem Zimmer verschwindet -, setzen Sie ihn auf die Pads und loben ihn ungeheuerlich, wenn er dann pieselt. Sobald er tut, was Sie von ihm erwarten, sagen Sie ein bestimmtes „Lösungswort” wie „Pieseln” oder „Pipi” oder wasauchimmer: Die meisten Hunde haben nach dem 15. Mal verstanden, was Sie mit diesem Wort von ihnen wollen, und das kann äußerst praktisch sein, falls Sie später einmal beispielsweise in Mailand ihren Hund davon überzeugen wollen, so ganz ohne Baum oder Grashalm weit und breit trotzdem aufs Klo zu gehen.
Wenn Sie Ihren kleinen Hund dabei „erwischen”, wie er sich gerade an unterwünschter Stelle in Lösung-Position bringt, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie nicht geduckt oder schreiend auf ihn zu rennen, um ihn zu unterbrechen: Es könnte sein, dass er sich furchtbar erschreckt, weil Sie sehr bedrohlich aussehen. Das Resultat wäre, dass er sich in Zukunft große Mühe gibt, jeglichen Stuhlgang mühsam vor Ihnen zu verbergen – hinter dem Sofa z.B., oder in der Garderobe. Wenn er mittendrin ist, nehmen Sie ihn in aller Ruhe hoch (wischen müssen Sie jetzt sowieso), sagen Sie „Nein!”, setzen ihn anschließend auf seine Windel und loben ihn dort, auch, wenn er nicht mehr pieselt.
Im Laufe der Zeit wandern die Windeln Richtung Haustür, aus der Sie ja drei-bis viermal am Tag mit ihm gehen, bis sie irgendwann verschwinden. Sie werden an seinem Verhalten merken, dass er aufs Klo muß, weil er die Windel sucht – bestenfalls läuft er zu Ihnen, zurück zu der Stelle, wo die Windel liegen müsste, und wieder zu Ihnen -, und – voilà! – Sie gehen mit ihm nach draußen: mittlerweile hat er ja in aller Ruhe gelernt, mit dem Streß und den Ablenkungen auf der Straße umzugehen.

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