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Was wir von Hunden lernen können: Weniger bellen, mehr wedeln

Würde mein Hund Bounty für eine Arbeitsplatzbeschreibung einen typischen Tagesablauf beschreiben müssen, sähe dieser in etwa so aus: 

  1. Als Erster aufstehen und sicherstellen, dass alle Mitglieder des Haushalts geschützt sind vor drohenden Gefahren wie Eichhörnchen, Mäusen, Silberfischchen, Müllautos oder raschelndem Laub. Alle anderen aufwecken, um sie wissen zu lassen, dass sie in Sicherheit sind.
  2. In den Garten gehen. Den gesamten Bereich sorgfältig absuchen, um sicher zu gehen, dass über Nacht dessen Unversehrtheit gewahrt geblieben ist.
  3. Die Präsenz von etwas Unheimlichem rechtzeitig erspüren und so lange bellen, bis es verschwindet.
  4. Hereinkommen. Mahlzeit schnell beenden, denn man weiß nie, ob nicht etwas dazwischenkommt, wenn man trödelt. Oder ob es jemals wieder etwas zu essen gibt.
  5. Den Menschen auf dessen ritueller Morgenrunde begleiten und dafür sorgen, dass der Weg frei und gefahrlos ist. Territorium weiträumig markieren und den Schnöseln aus der Nachbarschaft zeigen, wer hier das Sagen hat.
  6. Zuhause ein Nickerchen einlegen. Man muss seine Kräfte sammeln für die großen Aufgaben, die ein Tag birgt.
  7. Von bedrohlichen Geräuschen von draußen aufgeweckt werden. Am Fenster so lange bellen, bis der einzelne Jogger am Horizont verschwunden ist. Ohne drohendes Gebell hätte der Jogger garantiert irgendwelche Übeltaten begangen. War knapp.
  8. Den heimkehrenden Menschen wissen lassen, dass alles in Ordnung ist. Unmissverständlich einfordern, dass man in den Garten gelassen wird für eine erneute Überprüfung der Sicherheitsbedingungen.
  9. Alle im Umkreis von neun Kilometern darüber informieren, dass ein Huhn es gewagt hat, über ein Blumenbeet zu tippeln.
  10. Herumliegenden Unrat aufessen. Sieht besser aus und fühlt sich auch so an.
  11. Auf jeden Fall sicherstellen, dass man gegenüber dem Schäferhundmischling am Ende der Straße das letzte Wort hat. Der Kerl mischt sich in alle Gespräche ein, das darf man ihm nicht durchgehen lassen. Und wenn es die ganze Nacht dauert.
  12. Im Haus noch einmal durch jedes Zimmer patroullieren, um zu überprüfen, dass sich in der Zwischenzeit keine Fremden eingeschlichen haben. Nebenbei kontrollieren, dass auf dem Küchenboden nichts Verderbliches liegen geblieben ist.
  13. Im Bett durch sorgfältiges, rituelles Drehen, Wenden und den Menschen ein Stück wegschieben dafür sorgen, dass für alle optimaler Schlafkomfort garantiert ist, besonders für den Hund.
  14. Noch ein letztes Mal an diesem Tag ein leises Wuffen ertönen lassen, damit alle etwaigen Feinde wissen, dass man sie nicht vergessen hat. Wenn man vom erschöpften Menschen, der einen Hörsturz vermeiden möchte ermahnt wird, um jeden Preis das letzte Wort behalten.

Was für ein Tag.

Eigentlich ist Bounty ein reizendes Wesen der Gattung Shetland Sheepdog, die zugegebenermaßen als sehr gesprächig gilt. Sie sieht aus wie ein in der Wäsche eingegangener Collie. Das liegt daran, dass die Rasse ursprünglich von den Shetland Inseln stammt, die sehr klein sind, weshalb dort auch die Schafe, die Menschen und die Ponies von sehr übersichtlicher Größe sind. Man brauchte also auch nur platzsparende Hunde, um die ganzen kleinwüchsigen Lebewesen zu hüten. Dass die, die klein sind, gerne mal eine große Klappe beweisen, ist auch keine ganz neue Wahrheit: Wenn man sie schon nicht auf den allerersten Blick sieht, soll man sie wenigstens hören können.

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Bellen ist zweifellos eine wichtige Kommunikationsform für Hunde. Es gibt viele Gründe fürs Bellen:

  • Es ist eine Ankündigung, dass sich etwas Neues nähert.
  • Es ist eine Ankündigung, dass sich etwas Gruseliges nähert.
  • Es ist eine Ankündigung, dass der Paketdienst vor der Tür steht und der Bote die Klingel betätigt hat.
  • Es ist ein Notruf nach Art von „Mayday! Mayday!“
  • Es ist eine Möglichkeit, dem Hund am Ende der Straße (oder vier Straßen weiter) eine Botschaft zu übermitteln.
  • Es ist eine Form der Beschwerde, weil irgendetwas nicht so geklappt hat, wie es sollte.
  • Es ist eine Möglichkeit, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
  • Bellen gibt dem Hund das Gefühl, etwas geleistet zu haben (Bellen kann echt anstrengend sein!).
  • Bellen ist ein Hinweis auf eine möglicherweise in naher oder sehr ferner Zukunft drohende Störung.
  • Manche Hunde brauchen überhaupt keine Gründe fürs Bellen. Die machen das einfach gratis und umsonst als Hobby.

Andere auf Probleme oder Störungen aufmerksam zu machen, ist eine durchaus legitime Form des Bellens. Auch ein Sich-Beschweren hat in Maßen durchaus eine Berechtigung, ist gut und nützlich. Wie soll man Probleme lösen, wenn niemand auf sie aufmerksam macht? Es kann durchaus durchaus wünschenswerte Ergebnisse erzielen, wenn jemand auf einen Missstand aufmerksam macht. Dagegen führen andauerndes Kläffen und permanente Beschwerden dazu, dass andere sich zurückziehen oder sich irgendwann wehren und das Gebell zu einer Eskalation führt. Ständige Kritik und Anprangern werden üblicherweise als kontraproduktiv und uneffektiv empfunden. Niemand mag Kläffer: Zuviel Jammern nervt und bringt andere gegen sich auf. Noch dazu führt es zu einer Art Gewöhnungseffekt: Sie erinnern sich an die alte Geschichte von „Peter und dem Wolf“, der so oft „der Wolf ist da, der Wolf ist da!“ schrie, um auf sich aufmerksam zu machen, bis ihm keiner mehr glaubte – bis der Wolf eines Tages wirklich kam. Selbst in diesem Haushalt reagieren die anderen Hunde kaum noch, wenn Bounty eine potentielle Brohung ankündigt; es ist einfach zu anstrengend. Anstatt im Mittelpunkt zu stehen, hört Bounty mittlerweile keiner mehr zu.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Kein Hund sollte schweigen, wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat.

Aber jeder von uns muss lernen, wann er einfach mal die Klappe hält.

2 Kommentare

  1. Gerlind Lehmann

    Jaja, es beruhigt sehr, dass selbst in Ihrem Rudel, liebe Katharina, ein kleiner Gernegross lebt. Mein Zwergdackel muss allen im Stadtteil mitteilen, dass er jetzt draußen ist und wir spazieren gehen, oder dsss ein anderer Hund in 8km Entfernung die Straße überquert. Ich war jahrelang genervt, habe von Dummytragen, Spielzeug geben, Raum eingrenzen, mit Leckerlis ablenken alles probiert – nichts klappt. Irgendwann habe ich beschlossen, dass es mir egal ist. Er ist ansonsten gut erzogen, liegt brav im Lokal, Bus, Zug oder auf fremden Teppichen; läßt sich im Wald abrufen usw. – dann hat er eben diese eine Macke. Na und, ich habe auch welche.

  2. Liebe Katharina!
    Ich habe auch einen Shetland Sheepdog, den ich mit zwei Jahren bekommen habe. Und mein entzückendes Mädchen hat die ersten zwei Monate keinen Mucks von sich gegeben. Eine besorgte Anfrage beim Züchter: kann der Hund überhaupt bellen? Es hat wirklich zwei Monate gedauert bis sie gebellt hat. Und ja, auch ich habe einen Belltie. Aber die Bellerei von meinem Sheltie hält sich in Grenzen – zum Glück. Es gibt da ganz andere Kandidaten. Überhaupt der Sheltie ist mein wahr gewordener Traum. Nach 30 Jahren Terrier hab ich meine Traumrasse gefunden. Meine Sheltiemaus ist einfach nur lieb und unkompliziert.
    Liebe Grüße
    Denise & Piri

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