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Wie wird mein Hund gesprächsbereit? Interview mit Anne Krüger

PM-Regionaltagung_bei_Anne_Krueger_-_15-e1375365573902“>Interview mit der Schäferin Anne Krüger

Was ist für Sie der häufigste und größte Schwachpunkt bei der Arbeit mit Hunden?

Anne Krüger: Das ist eindeutig der Mangel an Achtsamkeit. Wie wichtig Achtsamkeit ist, kann man an sich selbst prüfen: Zum Beispiel, wenn Sie jemanden ansprechen und eine Antwort oder wenigstens eine Reaktion erwarten. Stattdessen schaut Ihr Gegenüber gelangweilt aus dem Fenster oder liest die Zeitung. Bei Menschen gilt das als unhöflich oder beleidigend. Von ihrem Hund dagegen lassen sich viele Halter aber genau das tagtäglich gefallen. Selbst wenn der Hund sie wie Luft behandelt, gehen sie einfach zur Tagesordnung über, ohne den Vierbeiner auch nur zu ermahnen. Dabei ist die Achtsamkeit für das Mensch-Tier-Team außerordentlich bedeutend. Der Sekundenbruchteil, in dem sich der Hund Ihnen zuwendet und auf Ihre Ansprache reagiert, ist die Basis der Kooperation und der gemeinsamen Arbeit. Nur wenn der Hund achtsam ist und Sie ihn jederzeit und ohne Anstrengung erreichen, sind Sie auch in der Lage, ihm die Informationen zu vermitteln, die für ein harmonisches Miteinander wichtig sind.

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In vielen Hundeschulen legt man Wert darauf, laut und deutlich mit dem Hund zu sprechen. Warum bringt leise mehr?

Anne Krüger: Einen Hund klar und deutlich anzusprechen, ist wunderbar und wichtig und beugt Missverständnissen vor. Laut hingegen ist völlig überflüssig. Nicht wenige Hundehalter versuchen – ob bewusst oder unbewußt – ihre wackelige Präsenz und unterentwickelte Führungsqualität durch Härte und Druck in ihrer Stimme zu übertönen. Dabei hat der Hund ein fantastisches Gehör und reagiert selbst auf geflüsterte Kommandos. Darüber hinaus ist leises Sprechen der beste Weg, sich der Aufmerksamkeit des Vierbeiners zu versichern: Je leiser Sie sprechen, desto genauer und konzentrierter muss Ihr Hund hinhören. Und dass ein überlauter Befehlston eine schwache Chefposition nicht stützen kann, erfährt so mancher Hundebesitzer, wenn sein Hund einfach mal wieder weghört.

Der gesprächsbereite Hund soll seine Rute unterhalb der Waagerechten tragen. Darf er sie denn nie hochnehmen?

Anne Krüger: Grundsätzlich darf ein Hund seine Rute so tragen, wie es ihm in den Sinn kommt. Die im Rahmen der HarmoniLogie beschriebene Rutenhaltung bezieht sich ausschließlich auf den Moment des Gesprächs: Im Dialog trägt der Hund die Rute unterhalb der Waagerechten, denn generell sollte der Halter seinen Hund durch eine leise und freundliche Ansprache dazu bringen, die Rute entspannt abzusenken. Das ist oft sehr hilfreich: Zum Beispiel, wenn sich zwei Rüden mit Imponiergehabe gegenüber stehen. Wird die Rute abgesenkt, ist im Handumdrehen der Dampf aus der Begegnung raus.

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Muss man Hunden eigentlich immer erlauben, sich bei einer Begegnung zu begrüßen?

Anne Krüger: Das ist eine sehr interessante Frage. Keiner von uns käme bei einem Stadtbummel au die Idee, jeden Menschen zu begrüßen, der ihm über den Weg läuft. Unserem Hund jedoch erlauben wir es ständig, alle  seine Artgenossen zu beschnüffeln – beziehungsweise animieren wir ihn oft sogar direkt dazu. Dieses Zugeständnis entspringt offensichtlich dem tief in uns schlummernden schlechten Gewissen, dass er bei uns alleine und ohne Sozialkontakte leben muss. Dieses Schuldbewusstsein führt zu einem  – wie ich finde – fast unerträglichen Distanzverlust. Ich empfehle, die Form der Kontaktaufnahme nur bei befreundeten Hunden zu gestatten. Meine Hund müssen sich hinlegen, wenn ihnen fremde Artgenossen entgegen kommen. So unterbinde ich zunächst einmal eine direkte Kommunikation. Den Besitzer der anderen bitte ich, etwas Distanz zu wahren. Meist klappt das problemlos.

Sie sprechen immer vom Stand-By-Modus. Muss ein Hund immer auf Empfang sein?

Anne Krüger: Der Hund im Standy-By-Modus kann seine Sinne überall haben und ist gleichzeitig doch empfangsbereit für die Signale seines Menschen. Dieser Hund darf alles anschauen, schnüffeln, sich mit anderen friedlichen Hunden unterhalten, spielen oder einfach nur dösen. Entscheidend für diese Freiheit ist die Leichtigkeit, mit der der eigene Kontakt zum Hund wieder hergestellt werden kann. Es geht ja darum, dass der Hund ein erfülltes, angenehmes und möglichst freies Leben führen darf mit vielen Reizen, die für ihn wichtig sind. Der Sandy-By-Modus lässt den Faden zwischen Hund und Mensch nicht abreißen, weil der Vierbeiner immer auf Empfang bleibt, selbst wenn er seine Hobbies auslebt. Wie schön es ist, sein Leben mit einem solch feinen und immer aufmerksamen Hund zu teilen, muss man selbst erleben – beschreiben kann man es nicht.

1 Kommentare

  1. Liebe Frau Krüger,

    ich habe eine Border Collie Hündin und erlebe einen so liebevollen und entspannten Alltag mit ihr. Sie ist ein toller und sehr aufmerksamer Hund und 24 Stunden an meiner Seite.
    Jetzt bin ich auf ihre Seite gekommen, da ich so gerne mit Frieda an Schafen trainieren würde, mit der Perspektive mir auch irgendwann eine kleine Schafherde zuzulegen, da ich viel mit Schaf- Wolle arbeite.
    Bisher habe ich mit Frieda viel Obedience Training praktiziert, denn es ist für uns beide eine fröhliche und entspannende Beschäftigung.
    Sehr gerne würde ich einmal an einem ihrer Seminare teilnehmen.
    Mit herzlichen Grüßen aus Bayern,
    Annette Baedeker

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