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Wieder da.

Ich war zehn Tage lang “on the road”, vor allem in München, wo ich mit meiner Co-Autorin sehr intensiv an einem neuen Buch gearbeitet habe (täglich acht bis zehn Stunden gearbeitet und Übungen nachgearbeitet, um zu sehen, wie man sie am einfachsten und verständlichsten formuliert, puh) – und deshalb konnte ich danach nicht auch noch Blog-Einträge verfassen, Verzeihung: In meinem Kopf war abends nicht mehr viel übrig.

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Ich hatte Nano, Harry und Pixel in München dabei; Fritz und Gretel waren ausgelagert bei einer Freundin mit vierzehn Wochen alten Zwillingen. Fritz war im Glück: Er liebt kleine Kinder, paßt auf sie auf, legt sich zu ihnen und pustet ihnen ins Ohr, wenn sie lange weinen. IMG_3085

Gretel dagegen ist etwas pragmatischer veranlagt: Sie findet Kinder auch ganz reizend, aber wenn sie länger als acht Minuten weinen, zieht sie sich ins Nebenzimmer zurück mit einem Blick, der deutlich verkündet, man möge das doch bitte mal abstellen. IMG_3075Beide Hunde hatten es großartig, schliefen immer im Bett, obwohl ich vorher genau erklärt hatte, wie man Fritz in seine Decke einwickeln müsse… “Aber die beiden haben gesagt, das dürfen sie zuhause immer!”, sagte meine Freundin. Ja, nee, klar: Das hätte ich an Gretels und Fritz’ Stelle auch behauptet.

IMG_3053Fritz fand die beiden kleinen Mädchen so wunderbar, dass er ihnen sogar seine heilige Himbeere anbot: Und war dann ganz verwirrt, dass sie sie partout nicht werfen wollten. Aber er gab nicht auf, platzierte die Himbeere immer wieder strategisch günstig und starrte den Ball an, dann das Baby, dann wieder die Himbeere, damit das Kind endlich verstehen würde, was er von ihm wollte. Es klappt bestimmt bald. IMG_3081

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Nano und Pixel dagegen mussten arbeiten.

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In letzter Zeit hatte Nano sich angewöhnt, auf fremde Hunde mit lautem Getöse zuzudonnern – körpersprachlich war immer ganz deutlich, dass er sich eigentlich fürchtete und bloß “Hau bloß ab, du!” blökte, aber es ist für fremde Leute nun mal nicht angenehm, wenn ein großes graues Geschoß grölend auf sie zu schießt.
Ich habe lange überlegt, woran das liegen könnte, und dachte, wir treffen hier im Wald eben nicht genug Hunde und wenn, dann doch meist die gleichen. Deshalb hatte ich ihn auch mitgenommen: In München trifft man im Herzogpark und im Englischen Garten ca. 45 Hunde pro Stunde.

Hunde überall: Englischer Garten in München

Hunde überall: Englischer Garten in München

Bis mir mein Irrtum klar wurde: Wir treffen nach Naxos Geschmack gar nicht zu wenig Hunde. Er will gar nicht so viel mit anderen Hunden zu tun haben. Er hat das ja gar nicht gelernt: Galgos werden in größeren oder kleineren Gruppen gehalten, um auf die Jagd zu gehen, und dann wieder nach Hause. Parties, mit fremden Hunden spielen, Smalltalk kennen sie nicht. Für diese täglichen Spaziergänge in Parks oder am Stadtrand, bei denen man fremde Hunde trifft und sich austauscht, ist der Galgo nicht da. Sozialverhalten in dieser Hinsicht hat er nicht gelernt – derlei stresst ihn also, so, wie jemand, der nicht weiß, wie man mit Fischbesteck umgeht, bei so einem Essen auch eher angespannt ist, als jemand, der alle gesellschaftlichen Feinheiten eben beherrscht.
Pixels Art, der die ganze Welt für eine Kindergeburtstagsparty hält und jeden Hund entzückt, aber höflich begrüßt (“Wie unglaublich nett, dich kennen zu lernen! Ganz reizend, wirklich! Wie alt bist du den? Was machst du so? Darf ich mal gucken?”), ist für Nano extrem anstrengend:Denn Pixel ist sein kleiner Bruder, also denkt er, er muss immer mit – auch wenn er das eigentlich nicht will.

Also haben wir geübt, dass er Pixel auch alleine losgehen lassen kann, dass er sich um andere Hunde nicht kümmern muss, dass er sich auch einfach in einem großen Bogen die Sache von Weitem ansehen kann. Sobald ich von Weitem einen anderen Hund sah, stellte ich mich so weit vom Weg weg, wie ich konnte (dieses direkt Aufeinander-Zugehen ist aus Hundesicht sowieso eine sehr unhöfliche Angelegenheit: Wenn man Hunde beobachtet, machen sie das praktisch nie, außer, sie suchen die Konfrontation) und zählte intensiv Kieselsteine oder Gänseblümchen, um wirklich alle Aufmerksamkeit von Nano und dem anderen Hund wegzunehmen. Bei den ersten drei Malen machte Nano noch weiter Trara, wie er es sich zuletzt angewöhnt hatte, aber schon deutlich abgeschwächter. Beim vierten Mal kam er gleich mit und zählte auch Kieselsteine. Bei den nächsten Malen half ich ihm immer noch, indem ich einen Bogen machte, so dass er merkte, er konnte Pixel seine gesellschaftlichen Verpflichtungen durchziehen lassen, ohne Mitmachen zu müssen. Natürlich verfällt er immer noch ab und zu in sein “altes Muster”, aber insgesamt sind die Begegnungen mit anderen Hunden jetzt ganz entspannt und schweigend.

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Auf dem Weg zurück nach Berlin fuhren wir noch in Richtung Stuttgart zu Gudrun Sauter von dem Verein “Tierschutz Spanien”, von dem Nano kommt, die mit zwölf (12!) Galgos, drei Katzen und einem kleinen schwarzen Fusselhund zusammen lebt, nebst Mann und Kindern. Nano war not amused, Harry saß mit verkniffenem Mund unter mir und überlegte die ganze Zeit, welchen dieser großen fremden Hunde er ganz besonders grässlich fände. Er suchte sich dann eine ältere Dame aus, neben die er sich aufs Sofa legte, die schien ihm am sichersten. IMG_3093

Immerhin schweißte es Harry und Nano stärker zusammen. Wäre Harry ein Mensch, wäre er, glaube ich, nicht so angenehm: Ein Bürgermeister, der ein bißchen spießig ist. Er maßregelt Nano andauernd, weil er ihn trampelig und unruhig findet – aber in der Fremde beruft man sich auf Familie.

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Das Süßeste war, als wir vorgestern wieder nach Hause kamen: Die Hunde rasten begeistert durchs Haus, glücklich, wieder da zu sein, wedelnd, dass alles noch so war, wie wir es zurückgelassen hatten.

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