Wir sind die Neuen

Vor zwei Wochen kam hier drei kleine Rumänen an: Fips, Olli und Tobi. Sie kommen aus dem Tierheim in Tecuci, in dessen Vergleich unsere Tierheime an 5-Sterne-Spas erinnern: riesige, feuchte Hallen mit Betonböden ohne Heizung, Betten, Hütten oder Decken, in denen über 600 Hunde untergebracht sind. Der Krach ist ohrenbetäubend, der Gestank schwindelerregend, die Chance, dass die Hunde das Tierheim lebend verlassen, ist gleich Null. Rumänien ist unendlich arm, die meisten Menschen haben so gut wie nichts – da sind Hunde ein Luxus, an den die meisten nicht einmal denken.

Sabine Peschke fährt seit Jahren nach Rumänien, um Hunde aus diesem Tierheim zu holen und sie zu vermitteln, und macht das hervorragend. Se ruft auf der Stelle zurück, sie flutet Interessenten mit Fotos und Videos, und der Transport nach Deutschland funktioniert schnell und reibungslos: Man wird sogar über eine Chat-Gruppe ständig darüber informiert,  wie weit der Transporter ist, ob er sich aufgrund von Stau oder Zoll-Verzögerungen verspätet, und die Hunde werden so nahe wie möglich an den nächstmöglichen Punkt der Adoptanten gebracht.

Fips und Olli sind schon an eine Freundin vermittelt und tagsüber hier, so lange sie im Büro ist (schlau von mir, was? So habe ich sie in meiner Nähe, ohne tatsächlich noch mehr Hunde zu haben). Tobi ist bisher reserviert.

Olli im Shelter einer rumänischen Tierklinik

Mager, ohne Muskeln, mit einem Pilz im Gesicht, fürchterlichem Juckreiz und Schrunden am ganzen Körper

Eigentlich ging es mir um Olli. Der sah in Fotos und Videos so erbärmlich aus, so alt und erschöpft mit fürchterlicher Demodex und einem Pilz im Gesicht, dass ich dachte, der würde nie ein Zuhause finden. Und nachdem ich “Haut” gut kann, dachte ich: So ein kleiner, 43 cm großer, älterer Hund wäre doch das Richtige für meine Freundin Sabine, deren griechischer Einwanderer vor ein paar Monaten im Alter von 14 1/2 in meinem Garten starb. Und so war es auch, denn ein Leben ohne Hund geht natürlich irgendwie, aber so richtig Spaß macht das nicht. Tatsächlich hatte er keinerlei Anfragen, und ich legte schon mal die Joveg-Seifen “Peace” bei Pilzbefall und “Zenzem” zurecht – ich schwöre auf diese Waschstücke aus Pflanzenölen, die die Haut beruhigen, Wunden versorgen und Juckreiz lindern (für läppische 10 Euro).

Fips im Shelter in Rumänien

Aber dann entdeckte Sabine auf der Seite des Vereins NaTino e.V., mit dem Sabine Peschke zusammen arbeitet, das Bild von Fips – und es war um sie geschehen. Fips hatte auf dem Foto auch sichtbare Demodex-Milben um die Augen herum, aber davor fürchte ich mich nicht: Wenn man weiß, wie man derlei behandelt, sind Demodex-Milben noch das kleinste Übel aller Haut-Katastrophen. Na gut, dachte ich, dann bleibt Olli eben hier, auch schon egal, und Fips hat auch ein Zuhause.

Könnten Sie solchen Augen widerstehen?

Und dann war da noch Tobi. Irgendwie denke ich mittlerweile bei Hunden offensichtlich in Kilo – drei kleine Hunde unter 8 Kilo = ein großer Hund, das ist zu schaffen. Und Tobi – der in Rumänien noch “Mogli” hieß,sprach irgendwas in mir an (wahrscheinlich sprachen die Demodex-Milben sehr laut zu mir, wenn ich ehrlich bin), und mir fiel gleich jemand ein, der dringend einen weiteren Hund braucht, der höflich und nicht aufdringlich ist. Wer mich anruft, muss wirklich aufpassen, dass ich ihm nicht inherhalb kürzester Zeit einen neuen Hund aufschwatze 🙂

Tobi – oder Mogli – mit Sabine Peschke in der Tierklinik in Rumänien

Und dann waren sie also da – hungrig, durstig, erschöpft von dem langen Transport. Sie stanken wie die Iltisse nach Angst, Analdrüsen, Tierheim, Pipi und anderen, ähnlichen Aromen, weshalb die Ärmsten als erstes baden mussten: Je besser ein Hund riecht, desto größer meine Liebesfähigkeit. Sie bekamen bestes Biofutter und suchten sich dann Betten aus, in denen sie tief schliefen und aus sicherer Entfernung das erstaunliche Treiben in unserem Haushalt beobachteten.

Fips war von Anfang an der Meinung, das Lebens-Upgrade käme gerade zur rechten Zeit

Tobi, der nervlich weniger stabil ist als die anderen beiden, konnte die Weichheit und die Wärme unserer Betten kaum fassen

Olli hat immer Hunger. Alles andere ist nicht so wichtig

Olli, der im wahren Leben aussieht wie ein Erdmännchen-Mischling, war vom ersten Moment an sozusagen schockverliebt in Sabine. Er folgte ihr auf Schritt und Tritt, ließ sie nicht aus seinen Augen und hielt sie für das Wundervollste, was er je in seinem ganzen Leben gesehen hatte. Es war überhaupt keine Frage, dass er “ihr” Hund war. Und schon hatte Sabine zwei Hunde.

Alle drei wurden von mir mit dem Spot-On “Advocate” behandelt – auch wenn ich normalerweise in erklärter Ablehner von Spot-Ons bin, gibt es praktisch nichts wirksameres (und gleichzeitig hautschonenderes) gegen Milben. Die Ivermectin-Bäder, die man früher machte, sind zwar auch erfolgreich, aber reizen auch gleichzeitig die Haut, die sowieso durch die Parasiten und den ewigen Juckreiz angegriffen ist.
Nicole Vallan vom Hundeshop “Dogs Country” hatte mir das Pulver für den “Amali-Brei” zusammengestellt, das aus Algen, Blütenpollen und Eierschalenpulver besteht und mit Hanföl, flüssiger Kräuterhefe, 1 TL Honig und 2 TL Sahne zusammen gerührt wird.Die gemahlenen Algen (Ascophyllum nodosum) enthalten Spurenelemente und Mineralstoffe, außerdem können sie sich positiv auf die Pigmentierung der Fellfarbe und der Fellqualität auswirken. Blütenpollen sind ein natürliches Antibiotikum, Ich habe noch meine Wunderwaffe, meine Immuno-Zink-Darmkur hinzugefügt, weil die Darmflora durch den unglaublichen Streß, die Medikamente und schlechte Ernährung vollkommen im Eimer ist und Zink alle und sämtliche Hautprobleme fantastisch unterstützt.

Die Verwandlung der Drei ist nach 14 Tagen geradezu phänomenal:

Ein Foto wie für eine Bewerbungsmappe: Der Pilz ist weg, die Milben auch, nur der Hunger bleibt

Der vormals weizenfarbene Olli ist mittlerweile dunkelrot gestromt, sein hartes Fell immer noch rauhaarig, aber viel weicher und unglaublich glänzend (das passiert mit meinem Hundefutter wirklich andauernd: Die Hunde bekommen eine tiefere, sattere Farbe und ein viel weicheres Fell, was wahrscheinlich an dem ausgewogenen Zinkgehalt liegt. Und jaja, irgendein Schlaumeier, wird mir wieder vorwerfen, Schleichwerbung für mein Futter machen zu wollen: Aber ich habe es ja aus einem bestimmten Grund entwickelt: Eben weil ich ein wirklich hochwertiges, ausgewogenes, gesundes Superfutter suchte und es nirgends fand. Ich sehe ja, dass es funktioniert!) .

Tobi am zweiten Tag

Die Haut war trocken, schuppig und juckte, das Fell dünn und fusselig

Die Demodex-Milben hatten bis zur Schwanzspitze ganze Arbeit geleistet

Nach vierzehn Tagen bestes Futter, regelmäßiges Baden alle drei Tage und soviele Omega3 und -6 Fettsäuren, dass sie ihm schon aus den Ohren kommen müssten, sieht Tobi so aus:

Die Schuppen sind vollkommen weg, das Fell wächst nach

Könnte jederzeit ein Calvin Klein- Unterhosenmodel werden, finden Sie nicht?

Und Fips sieht inzwischen aus, als wäre er aus einer L’Oreal-Werbung gehüpft, das Fell weich und glänzend, aber das muss ich fotografieren, wenn das Licht besser ist und die Sonne sich sehen läßt. Er liebt es hier, tobt mit den Collies und Tobi, rast hinter den Schafen her und findet, dass er genau da gelandet ist, wo er hingehört.

Sehr schwer, still zu stehen,

wenn das Leben so wundervoll ist

Oder ist das Handy ein Keks?

Das Leben ist also wundervoll. Meine Hunde hatten überhaupt kein Problem mit der kleinen Truppe, weil sie so unglaublich anständig, höflich und freundlich sind.

und weil ich einfach die alltertollsten Hunde von allen habe.

Tobi in der Mupfel

14 Kommentare

  1. Mir gefällt das Bild von Nano und “dem Kleinen” am besten. Kann man den Telefon-Hund-Aufschwatzservice auch für uneinsichtige bessere Hälften nutzen?
    Die Truppe könnte doch auch gesammelt zu Ihrer Bekannten gehen (= ein großer Hund?)…

    Oder bleibt der dritte bei Nano& Co.?

    Gruß,
    Florian

    • Ich könnte die “BessereHälften-Manipulation” ja mal versuchen… 🙂 – und nein, Tobi bleibt hier nicht. Ich habe wirklich genug Hunde. Momentan rasen hier alle mit Stofftieren durch Haus und ich komme mir vor, als wäre ich in einer Kleinkinder-Kita zu Besuch…

      • Diese Füllungsfluseln im Garten einsammeln… tolle Beschäftigung für Hundemütter.
        Hab‘s mit Tierchen aus Seil probiert, die kann man nicht so leicht zerkauen und ausweiden, aber deshalb sind sie auch nicht der Renner.

    • Den Dienst brauche ich auch! <3
      Meine Hündin ist sehr sozial und toll und hat auch Anstand im Umgang mit Mensch und Hund (ja man merkt dass ich von ihrem Wesen überzeugt bin) und hätte sicher liebend gern einen eigenen Hundekumpel im Haushalt, der „Herr im Hause“ ist allerdings der Überzeugung das ein Hund reiche…

  2. Meine Rede, wenn ich einen neuen Pflegehund bekommen: “Meine Hunde machen das schon”. Und sie machen es auch. Sie nehmen jeden Hund auf, klein, groß, Angsthasen oder auch nicht. Ja, ok, einmal, ein einziges Mal war ihnen der Pflegie zuviel, war ihnen nicht wohlgesonnen und alle waren froh, als er in sein neues Zuhause zog.

    Und – auch ganz wichtig – und das zeigt auch der Post: die, die aus dem Dreck kommen, werden erst einmal gebadet. Denn: ein Hund der stinkt, kann sich nicht wohlfühlen.

    In diesem Sinne: weiter so 🙂

  3. Melanie Ruoss

    Also ich stelle jetzt dann einen Antrag, bei Ihnen einziehen zu dürfen! Da würde es mir himmlisch gefallen und meinen Hunden auch!!! Nehmen Sie auch Menschen auf? 🙂 🙂 Oder vielleicht brauchen Sie eine Assistenin? Obwohl, wahrscheinlich komme ich dann mit 10 Hunden wieder nach Hause anstatt mit 3! 🙂

    Wie auch immer, ich finde es toll, wie Sie sich einsetzen und die Hunde weitervermitteln, oder soll ich sagen, die Hunde wirken lassen bis sich den Menschen das Herz öffnet? Toll dass Olli zu Sabine darf!

    Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag! 🙂

    Liebe Grüsse, Melanie Ruoss

    • Hihi, ja, wenn das so weitergeht, kann ich einen Dog-Manager gebrauchen… Oder ich vergebe Ferien-Praktika? Ich werde ggfs. auf Sie zurückkommen 🙂

  4. Christine Lönnecke

    Ich hätte sie auch alle genommen, wenn ich könnte, aber ich bin da auch kein vernünftiger Maßstab 😀

    Ich interessiere mich sehr für Ihr Prebiotic Immuno-Zink – meine Hündin ist aus Griechenland, hat jahreszeitlich abhängigen Juckreiz und besseren Kot auf das Royal Canin Anallergenic (in dem übrigens Federn verarbeitet sind, weil Sie schrieben, dass das verboten sei) – kann man zuviel Zink geben? Haben Sie schon die Erfahrung gemacht, dass Hunde mit Juckreiz auf das Prebiotic Immuno-Zink reagieren? Also auf irgendwelche Inhaltsstoffe darin?

    Vielen Dank für Ihre Mühe und noch ganz viel Spaß mit den drei Flauschbällchen,
    Christine & Juna

  5. Wirklich schön zu sehen, welches Glück die süßen Kerle haben. Wir brauchen unbedingt eine Mupfel für das Pudelchen. Wo gibt es die denn.

  6. Petra Münich

    Super! Die Verwandlung erinnert an Nano und Jack. Und ja, das Futter ist super, die Pudelmütze Gisela kennt seit ihrer 10 Woche nur das und hatte wirklich nie Probleme, während ihre Wurfgeschwister mit Barf schon einiges an blutigen Durchfällen und Erbrechen, Giardien durchmachten und mein Dobermann, ist seitdem, trotz BDI symptomfrei. Ich bin so froh über das FutterPetra Gisela, die pudelwahnsinnige und Platon, mein Held

  7. Ohhh, die Mupfel sieht gemütlich aus! Und das riesen runde kuschelige Schlafkissen auch. Natürlich sind die Hunde auch ganz toll und es gibt nichts Schöneres wenn Hunde sich plötzlich im Paradies wiederfinden. Meine sind selbst aus dem Tierheim aufgesammelt und vom Jäger aussortiert. Die „Jägerin“ konnte kaum glauben, dass sie endlich mal einfach Sein kann.
    Nur ein paar kuschelige Plätzchen fehlen… also wieder zurück. Wo hast du die her? Lieben, lieben Dank

    Ich lese hier wahnsinnig gerne. Du schreibst einfach schön. Lustig und mitreißend.

  8. Christine Lönnecke

    Ich wollte nochmal bezüglich des Prebiotic Immuno-Zink nachfragen, vielleicht ist mein Kommentar untergegangen… 🙂
    Vielen lieben Dank und noch einen schönen Abend! 🙂

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