Irrungen, Wirkungen – wann impfen, und was?

Foto: Maike Müller

Foto: Maike Müller

Um das Thema Impfungen ranken sich mittlerweile viele Verwirrungen, Halbwahrheiten und Legenden. Selbst viele Tierärzte sind überfordert mit den ständigen Neuentwicklungen und neigen dazu, einfach „wie immer“ weiterhin jährlich zu impfen.

Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Impfschutz eines Großteils der Wirkstoffe mindestens drei Jahre anhält und die meisten Hunde, die regelmäßig geimpft wurden, spätestens ab dem 8. Lebensjahr über einen ausreichenden Impfschutz für den Rest ihres Lebens verfügen.

Momentan sind 53 (!!) verschiedene Impfstoffe für Hunde auf dem Markt erhältlich. Manche als Einzelimpfstoffe, manche als Kombinationsimpfstoffe. Da muss ein Tierarzt schon einen sehr genauen Überblick behalten. Aber auch als aufgeklärter Hundebesitzer möchte man wissen, was in den Hund gespritzt wird. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, welche Impfungen er für notwendig hält, welche nicht unbedingt nötig sind, informieren Sie sich selber, welche „Seuchen“ möglicherweise in Ihrer Region grassieren (z.B. gab es im vergangenen Jahr deutschlandweit über 500 Todesfälle durch Leptospirose – eine Krankheit, gegen deren Impfschutz man momentan also lieber nicht verzichten sollte). Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Tierarzt hat keine Lust, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, suchen Sie sich einen neuen – aber erst, wenn Sie alles abgewägt haben. Vielleicht hat Ihr Tierarzt ja auch Recht. 🙂

ACHTUNG:
Einige Impfstoffe sind sogenannte Kombinationsimpfstoffe. D.h. es werden verschiedene Impfkomponenten mit einer Injektion gespritzt. Der Impfschutz der einzelnen Komponenten ist aber teilweise unterschiedlich. Deshalb muss eventuell mit unterschiedlichen Impfstoffen gearbeitet werden.
Ich persönlich trenne nach einer Empfehlung von Professor Straubinger, dem 2. Vorsitzenden der veterinärmedizinischen Impfkommission die Impfstoffe für Tollwut und Leptospirose, denn beide Impfstoffe sind so genannte „tote Impfstoffe“, auf die Hunde stark reagieren können. Ich lasse eine Pause von 14 Tagen zwischen den Impfungen. Allerdings muss man seinem behandelnden Tierarzt rechtzeitig vorher Bescheid sagen, weil er die Einzelimpfstoffe möglicherweise erst bestellen muss.

PFLICHTIMPFUNGEN FÜR ALLE HUNDE:
1. Tollwut
2. Parvovirose
3. Staupe

Deutschland gilt zwar offiziell als tollwut-frei, allerdings ist die Impfung gegen Tollwut gesetzlich vorgeschrieben, wenn der Hund am Reiseverkehr teilnimmt. Auch besteht die Gefahr, dass ungeimpfte Hunde aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Daher ist auch eine Impfung von Hunden, die nicht verreisen und immer in Deutschland bleiben, sinnvoll. Eine Gefahr durch importierte Hunde besteht prinzipiell auch bei Parvovirose und Staupe.

IMPFEMPFEHLUNG FÜR WELPEN UND JUNGHUNDE SOWIE HUNDE MIT AUSREICHENDER GRUNDIMMUNISIERUNG:
8. Lebenswoche: Staupe (S), Hepatitis (H), Parvovirose (P), Leptospirose (L) (möglichst aktuelle Impfstoffe), Zwingerhusten (Pi)
12. Lebenswoche: SHPPiL + T
16. Lebenswoche: evtl. SHPPiL + T
15 Monate: SHPPiL + T
Danach jedes Jahr: L + P
Alle 3 Jahre: SHP + T

Hundewelpen bekommen normalerweise – wenn die Mutter entsprechend geimpft wurde – Antikörper bereits von ihrer Mutter. Das heißt, in den ersten Wochen sind die Welpen gegen die Infektionskrankheiten, gegen die die Mutter geimpft wurde, geschützt. Das Problem ist, dass mit einem bestimmten Alter nur noch ein Teil dieser mütterlichen Antikörper vorhanden ist. Diese schützen nicht mehr ausreichend vor einer Infektion, verhindern aber, dass die Welpen auf die Impfungen ansprechen. Dies ist die sog. Immunologische Lücke. Da man nicht 100% sagen kann, wann die mütterlichen Antikörper verschwunden sind, werden Welpen meist zweimal geimpft. Das erste Mal im Alter von 8 Wochen, das zweite Mal mit 12 Wochen. Um ganz sicher zu sein, sollten Welpen nochmals mit 16 Wochen geimpft werden. Dann kann davon ausgegangen werden, dass die Welpen ideal geschützt sind. Das Ganze wird dann nach einem Jahr nochmals wiederholt. Jetzt kann von einer guten Grundimmunisierung ausgegangen werden.

BEI HUNDEN MIT UNKLARER GRUNDIMMUNISIERUNG (Z.B. HUNDE „AUS ZWEITER HAND“) ODER ERHÖHTEM INFEKTIONSRISIKO empfiehlt es sich, eine Titerbestimmung durchzuführen, um grundsätzlich den Antikörper-Status festzustellen.

OPTIONALE IMPFUNGEN.
Hepatitis contagiosa canis (ansteckende Leberentzündung; HCC):
Kommt in Deutschland sehr selten vor, jedoch besteht die Gefahr der Ansteckung bei nicht geimpften Hunden aus dem Ausland. Der Impfstoff gegen HCC schützt auch gegen Erreger des Zwingerhustens.
Impfschutz: 3 Jahre

Leptospirose:
Seit Frühjahr 2013 sind Impfstoffe auf den Markt, die 4 verschiedene Varianten der Leptospiren beinhalten und dementsprechend einen größeren Schutz bieten. Weil Leptospirose für einen umgeimpften Hund fast immer tödlich verläuft, sollten alle Hunde geimpft werden, die mit Gewässern Kontakt haben (Ratten sind die Hauptwirte von Leptospirose) oder Kontakt zu Wildnagern (Igel).
Impfschutz: 6 Monate bis 1 Jahr

Parainfluenza:
Das Parainfluenza-Virus ist ein Haupterreger des Zwingerhustens. Daher sollten vor allem junge Hunde geimpft werden, die häufig Kontakt zu Artgenossen haben.
Impfschutz: 1 Jahr

Bordetella bronchiseptica (Bb):
Bb ist ebenfalls ein Erreger des Zwingerhustens. Geimpft wird nicht durch Injektion, sondern der Impfstoff wird in die Nase geträufelt. Diese Impfung empfiehlt sich besonders bei erhöhtem Infektionsdruck (Ausstellung, Hundepension, Hundeschule). Bb sollte 3 Wochen vor einer erhöhten Infektionsgefahr geimpft werden.
Impfschutz: 1 Jahr

Borreliose:
Die Impfung gegen Borreliose wird kontrovers diskutiert, da trotz häufigen Infektionen Erkrankungen selten sind. Dagegen treten durch die Impfung oft Nebenwirkungen auf. Die auf dem Markt erhältlichen Impfstoffe enthalten entweder Borreliose-Arten, die nicht häufig in Deutschland vorkommen, oder aber nicht sehr gefährlich für Hunde sind. Da Borreliose nur durch Zeckenkontakt übertragen wird, sollte eher auf eine ausreichende Zeckenprophylaxe geachtet werden.

Herpesvirus:
Geimpft werden nur Zuchthündinnen. Dadurch können Erkrankungen und Todesfälle bei den Welpen verhindert werden.
Impfschutz: 1 Jahr

Dermatophyten (Hautpilze):
Empfohlen wird die Impfung nur in Problembeständen und als Therapieunterstützung bei hartnäckigen Erkrankungen.
Impfschutz: 1 Jahr

Leishmaniose:
Seit letztem Jahr ist erstmals ein Impfstoff gegen Leishmaniose in Deutschland erhältlich. Leishmaniose wird durch kleine Mücken (Schmetterlingsmücke) übertragen, und kommt vor allem südlich der Alpen vor. Für die Infektion ist also ein Stich einer infizierten Mücke notwendig. Zur Zeit besteht für Hunde, welche in Deutschland bleiben, noch keine Infektionsgefahr, allerdings wird schon von einzelnen Gebieten berichtet (z.B. Rheinebene), in der sich diese Mücken auch in Deutschland halten können.
Impfschutz: 1 Jahr

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