Neues Leben

Es tut mir wirklich leid, dass ich so lange nichts geschrieben habe – ich hatte tatsächlich schon wieder eine fürchterliche Grippe, aus der dann eine Lungenentzündung wurde, und bin dann sozusagen übergangslos vom Berliner Krankenlager nach Bayern gezogen, mit Sack und Pack. In ein sehr schönes, denkmalgeschütztes Bauernhaus von 1848, in der Nähe meiner Familie (aber nicht zu nah J ), in einem Bundesland ohne Leinenzwang und deutlich besser gelaunter, liebenswürdigerer Bevölkerung.

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In der vergangenen Woche habe ich dann 94 Kartons ausgepackt, die Küche aufgebaut, einen Zaun gebaut, Möbel gerückt, Betten zusammengeschraubt, Bücher einsortiert, bin ca. 1000mal mit Kartons die Treppen rauf-und runter gerannt (und habe jetzt einen Hintern aus Stahl), Amalis Fixateur abnehmen und Nanos Gesicht nähen lassen (hatte sich einen Stock hineingerammt), Harrys Zeh amputiert (Verdacht auf Tumor), Klempner und Tischler instruiert, Emails beantwortet, Hundefuttergeschäfte geführt, ab und zu geschlafen, ein Konzept für ein Kinderbuch gemacht, noch mehr Kartons ausgepackt… Jetzt bin ich zugegebenermaßen ein wenig erschöpft. IMG_5484

 

Noch mal kurz der Reihe nach: Amalis Bein ist phänomenal zusammengewachsen: Gerade, schön und wie neu. Sie lahmt nicht, muss noch an der Leine gehen, weil durch die kleinen Löcher im Bein, die durch den Draht zustande kamen, der Knochen etwas instabil ist, bis sie zugewachsen sind. Aber offenbar waren die ganzen Kräuter- und Wundermittel, die ich Amali verabreicht habe, doch hilfreich:

Das linke Bein ist noch etwas geschwollen, aber das wird nur noch eine Frage der Zeit sein

Das linke Bein ist noch etwas geschwollen, aber das wird nur noch eine Frage der Zeit sein

Der Tierarzt Dr. Schiele jedenfalls war selbst überrascht, wie schön das Bein aussieht. Er habe, gestand er mir nun, nach der Operation doch Zweifel gehabt, ob er uns damit einen Gefallen getan hätte (hat er aber, wie wir nun wissen. Puh).

Amali hatte zum Schluß die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht und sich bei den Verbandswechseln einfach auf mich gelegt. Sollte ich das Unglück eben mittragen.

Amali hatte zum Schluß die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht und sich bei den Verbandswechseln einfach auf mich gelegt. Sollte ich das Unglück eben mittragen.

Nur mit der Erziehung müssen wir jetzt wieder etwas konsequenter werden – im Laufe der Krankheit war ich wohl etwas zu weichherzig und nachgiebig, so dass die Oberprinzessin momentan über so viel Frustrationstoleranz verfügt wie Pumuckel. Aber sie hatte es ja auch wirklich nicht leicht: Neun Wochen lang an der Leine ist wirklich hart für einen jungen Windhund, vor allem, wenn die Mitbewohner frei und lustig durch Wald und Wiesen hopsen dürfen.

Am Sonntag zog ich um, am Dienstag hatten wir den Tierarzttermin, um den Fixateur abzunehmen, am Mittwoch habe ich dann wohlweislich einen kleinen Teil des (viele Tausend Quadratmeter großen) Gartens eingezäunt – denn obwohl hier die anderen Hunde von den umliegenden Höfen alle frei herumlaufen, müssen meine Hunde sich doch erst an riesige Trecker und Lastwagen gewöhnen, die hier ungebremst durch die Felder ballern. Ganz abgesehen davon, dass das Panorama sehr Galgo-freundlich ist und man kilometerweit sehen kann, was sich alles so in Feld und Flur tummelt. Der Zaun wird ein Projekt über mehrere Jahre werden bei der benötigten Länge… Von jetzt an werde ich mir zu jedem Geburtstag, Weihnachten und anderen Gelegenheiten Zaunelemente wünschen. Sonst nix. Während andere Frauen von Jimmy Choo’s und Hermès-Mänteln träumen, steht mir der Sinn nach Zaunteilen.

Im Zuge dessen stellten wir leider fest, dass Harry wohl den gleichen Tumor hat wie Luise, meine schwarze Großpudelhündin: Ein Plattenepitelkarzinom am Zeh. An seiner rechten Vorderpfote hat sich der zweite Zeh schon teilweise aufgelöst und musste amputiert werden – ich hoffe nur, dass wir diesmal rechtzeitig reagieren konnten und der Tumor nicht schon gestreut hat, wie damals bei Luise – die zwei Monate nach der Operation dann doch sterben musste.

Bisher ist mein kleiner Harry aber sehr fröhlich, hopst mit seiner verbundenen Pfote durch die Gegend, schnauzt den Nachbarhund an, einen Mischling aus Collie und Schäferhund, sobald der zu nah an unser Haus kommt, und benimmt sich wie immer: Eine Mischung aus Saint-Exupérys kleinem Prinz und Mussolini.

Nano dagegen hat sich vor lauter Glück über den riesigen Garten im High Speed einen Stock ins Gesicht gerammt, so dass ich ihn am Sonntagabend noch in die Klinik fahrenIMG_5522 durfte zum Nähen (der Tatort war sowieso todlangweilig). Kleine Vollnarkose, sein wunderschönes Gesicht zusammengenäht (glücklicherweise träumte die Tierärztin immer davon, Schönheitschirurgin zu werden), und schon ging’s wieder 55 km ab nach Hause. In der Klinik wurde ich schon gefragt, ob ich mir bei ihnen nicht vielleicht gleich ein Zimmer mieten wolle. Wie war das noch mit dem Schaden und dem Spott…?

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Und sonst? Werde ich in den nächsten sechs, acht Jahren nie mehr Langeweile haben: So ein Haus ist wirklich ein Projekt. Allein für den Garten – der bisher nichts weiter als eine riesige Wiese mit Obstbäumen (und einem funktionierenden Backhäuschen!) ist – wird sehr viel Zeit, Gestaltungsphantasie und Pflanzerei nötig sein … Meine Hunde waren so reizend und haben ihre Grabungsarbeiten bisher ausschließlich auf die Sandkiste beschränkt, die im Garten steht. Schaukeln wollte von ihnen bisher noch keiner, aber vielleicht heben sie sich das einfach noch für später auf.

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Aber ich stelle fest: Obwohl meine Hunde erprobte Reisehunde sind, viel mit mir unterwegs, in fremden Häusern, Zimmern, fremden Wäldern und Feldern, ist ihr Stresslevel ein ganz anderer bei diesem Umzug: Sie können offensichtlich genau unterscheiden, dass es hier um etwas „Größeres“ geht als um einen kleinen Ausflug. Sie sind ein bisschen außer sich, weshalb wir jetzt betont langsame, trödelige Spaziergänge machen (muss ich auch, um einen besseren Überblick über die herrschende Wild-Situation zu bekommen. Hier scheint es soviel Rehwild zu geben, dass ich das Gefühl habe, in ein Wildgehege gezogen zu sein) und die potentiellen Jäger alle angeleint bleiben – außer in Abschnitten, die garantiert rehfrei sind.

Unsere direkten Nachbarn: Drei Noriker

Unsere direkten Nachbarn: Drei Noriker

 

 

 

 

 

 

 

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