Beißhemmung

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Foto: Maike Müller

Hunde beißen. Mehr oder weniger. Sie beißen im Spiel, sie beißen, um sich zu wehren, sie beißen im Jagdfieber. Es ist natürlich, normal und notwendig, selbst bei Welpen: Nur so können sie entsprechendes Feedback erhalten und Kontrolle über die eigene Beißkraft gewinnen.Wer je einen Welpen aufgezogen hat weiß, dass Welpenzähne unglaublich spitz, scharf und gemein sein können – denn Hundekinder beißen gewöhnlich beim Spielen in alles, was ihnen zwischen die nadelsitzen Zähnchen gerät, gerne auch in die Hände, die sie füttern -, und müssen erst lernen, wie sie mit ihren Zähnen umgehen und ihre Kieferkraft dosieren sollen. Die Fähigkeit zur Kontrolle der Beißintensität nennt man Beißhemmung. Tatsächlich muss der Hund diese Fähigkeit erst erlernen.

Welpen müssen beißen, damit sie die Beißhemmung lernen können. Man kann sogar sagen, je mehr ein Welpe beim Spielen zwickt, desto besser kann man ihm die Beißhemmung beibringen, weil man sich ganz instinktiv wehrt, denn der Welpe muss lernen, die Kraft seines Bisses so zu hemmen, dass er einem anderen weder weh tut noch, noch verletzt. Wenn der Welpe zu doll zwickt, jault man laut auf und bricht sofort das Spiel ab – um dann nach kurzer Pause weiter zu spielen. Zwickt er wier versehentlich zu doll zu, wiederholt man die Reaktion. So wird er lernen, seine Beißkraft zu mildern, denn sonst ist das Spiel ja zuende, und das ist blöd.
Das Zeitfenster, in dem ein Welpe das so genannte „soft mouth“ lernt, ist relativ eng. Es beginnt sich bereits zu schließen, wenn der Welpe im Alter von ungefähr 16-18 Wochen mit dem Zahnwechsel beginnt und sich die ersten bleibenden Zähne zeigen.
Deshalb sind auch Kontakte zu anderen, gleichaltrigen wie älteren Hunde so wichtig für junge Hunde:  nur so bietet man dem Welpen auch nach seinem Einzug in seine Menschenfamilie die Möglichkeit, seine Sozialisierung mit anderen Artgenossen fortzusetzen, die meistens nicht zimperlich sind, wenn man ihnen zu sehr in die Ohren beißt.

Ein Hund, der die Beißhemmung erlernt hat, wird im Laufe seines Lebens auch in „ernsten“ Kämpfen kaum je Blut fließen lassen. Ein fabelhaftes Beispiel hierfür ist mein Rüde Fritz, der durchaus den ein- oder anderen Feind hat, wie z.B. einen Chihuahuarüden aus der Nachbarschaft, der sich mit Leidenschaft jedem fremden Rüden (und selbst großen Hündinnen, wie einmal meiner Pudelhündin Luise) an die Gurgel wirft. Fritz sah sich das über einen langen Zeitraum hin stoisch an, bis er eines schönen Sommertages beschloss, nun reiche es. Der Chihuahua und Fritz warfen sich aufeinander, tobten, knurrten, brüllten und spuckten. Das Chihuahua-Frauchen ging dazwischen, weil sie der Überzeugung war, ihr Hund würde tot gebissen und bekam einen beeindruckenden Bluterguß ab. Die beiden Rüden dagegen hatten nicht einmal eine Schramme, nicht das winzigste Loch, nichts.

Wenn siene Beißhemung gut aufgebaut wurde, wird selbst ein zum Beißen provozierter Hund  selten so fest zubeißen, dass er jemanden verletzt. Bei einem erwachsenen Hund, der kein „soft mouth“ gelernt hat und dessen Bisse tiefe Wunden verursacht, ist die „Rehabilitation“ wesentlich schwieriger, zeitaufwändiger und potentiell gefährlicher.

In diesem kleinen Video sieht man, wunderbar dass Nano und Jockel  mit ganz „weichem Maul“ spielen (obwohl es in „Echtzeit“ sehr wild und gefährlich wirkt, was die beiden machen) und einander, wie die Zeitlupenaufnahme zeigt, in Wirklichkeit kaum berühren.

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