Der Fragebogen von Marcel Proust, beantwortet von Fritz, dem Italienischen Windspiel

Foto: Frank Zauritz

Katharina von der Leyen

Seit Marcel Proust Ende des 19. Jahrhunderts den berühmten Fragebogen ausfüllte, ist er tausende von Male in unzähligen Magazinen und Gazetten jedem gestellt worden, der eine gewisse gesellschaftliche Relevanz hatte. Darum beantwortet ihn hier Fritz, das Italienische Windspiel.

Was ist für Sie das größte Unglück?
Eine Welt ohne Bälle in Himbeer-Form.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Ein Garten voller Wühlmäuse.

Wo möchten Sie leben? In einer Welt ohne Zäune. Zäune sind wirklich furchtbar: Sie stehen immer genau vor irgendetwas, was man gerade dringend haben will, oder wo man unbedingt etwas nachsehen muss. Sehr lästig.

Ihr Hauptcharakterzug? Mein Charme. Die Tatsache, dass ich immer an die Bedürfnisse von anderen denke – man ahnt gar nicht, wie viele Menschen sich nichts sehnlicher wünschen als einen Hund auf dem Schoß, dessen Bauch sie kraulen können.

Was möchten Sie sein? Ein bisschen größer und imposanter, etwa die Größe eines Neufundländers vielleicht.

Ihre Lieblingsheldinnen der Dichtung? Lassie. Eine echte Märtyrerin – die Ärmste lebte mit echten Idioten zusammen, die sich permanent in furchtbare Situationen brachten. Sie hatten es ausschließlich Lassie zu verdanken, dass sie überhaupt das Rentenalter erreichten. Und was war der Dank? Ihr wurde nicht ein einziges Mal ein Ball geworfen. Pfui. Eine der tragischsten Geschichten der Weltliteratur.

Ihr größter Fehler? Nur einen einzigen Ball in meinem Maul unterbringen zu können.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Fehler aus Leidenschaft. Schinken stehlen, weil er so einsam aussah. Katzenfutter fressen und sich anschließend übergeben.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Sein Bedürfnis zu gefallen. Sogar Männer, die wir gerade erst kennen lernen, sind immer ungeheuer bemüht, mit uns Hunden gut Freund zu werden, kraulen uns stundenlang, spielen endlos mit uns Ball und werden nie müde, uns bei Katharina über den Klee zu loben.

Ihre Heldin der Wirklichkeit? Katharina. Sie scheut keine Mühen, uns jeden Tag zweimal frisches Fleisch mit Hüttenkäse, Öl, Ei und anderen Dingen zu servieren. Mit dem Gemüse übertreibt sie’s etwas, da könnte ich gut drauf verzichten. Aber was Mahlzeiten angeht, ist die Frau top.

Ihr Held der Geschichte? Tyras, die Dogge von Otto von Bismarck. Ein starker Hund, der die Weltpolitik veränderte! Als der Reichskanzler Tyras 1878 zum Berliner Kongreß mitnahm, drückte er seine Abneigung gegen den russischen Außenminister und Intimus des Zaren, Fürst Gortschakow aus, indem er dessen Hosen zerriß.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Als die Windspielhündin Biche Friedrich den Großen in den Schlesischen Krieg begleitete, geriet der König ganz allein auf einen Abweg und wäre fast von Panduren gefangen genommen worden. Aber weil Biche in dem Versteck nicht bellte, konnte er entkommen. Großartig.

Was verabscheuen Sie am meisten? Regen. Eine wirklich fiese Sache. So was von naß! Das kann einfach nicht gesund sein.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Sehr wach, sehr vergnügt, sehr hungrig.

Ihr Motto? Nur weil die Schüssel leer ist, heißt das nicht, dass es nichts mehr gibt.

Verpackungsfritz

bildvom 10. Oktober 2010

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