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Ich kann gerade nicht!

Auch ein Grund, nicht zu kommen: Der Hund sieht nix. Foto: William Wegman
Auch ein Grund, nicht zu kommen: Der Hund sieht nix. Foto: William Wegman

Auch ein Grund, nicht zu kommen: Der Hund sieht nix.
Foto: William Wegman

Gute Gründe, warum der Hund nicht kommen kann

Ich halte wenig von Kadavergehorsam, obwohl ich von meinen Hunden natürlich durchaus verlange, dass sie gut gehorchen. Ich möchte zwar, dass sie „aufs erste Wort“ hören, weiß aber auch, dass es viele, viele Gründe gibt, warum ein Hund gerade nicht kommen kann, wenn man ihn ruft. Ich persönlich „erlaube“ meinen Hunden, dass sie bis zu drei Mal gerufen werden, wenn ich sie rufe – ich überprüfe die Gründe, ob ich etwas ändern kann, was Ihnen das Kommen erleichtert, aber beim dritten Rufen müssten wir dann wirklich so weit sein. Wenn der Hund dann immer noch zögert, gehe ich wortlos zu ihm hin und „schiebe“ ihn mit meiner Körpersprache – mit schrankenartig ausgebreiteten Armen – zurück zu der Stelle, wo ich ihn ursprünglich hin gerufen habe. Ich spreche deshalb nicht, weil es eine völlig ausreichende, sehr klare Aussage ist, einen Hund zurückzudrängen, und Hunden Worte deutlich weniger bedeuten als Körpersprache.

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Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es ist nicht egal, ob der Hund kommt oder nicht, aber dazu gehört das Warum. Es ist etwas völlig anderes, ob er gerade nicht kommen kann, weil ihn ein anderer Hund starr fixiert (ihm also sagt: Bleib’ bloß, wo du bist! – wenn er dann also mir gehorcht, marschiert er direkt in einen Konflikt hinein. Als guter Anführer kann ich ihn einer solchen Situation aber nicht aussetzen), oder ob er nicht kommt, weil er keine Lust hat. Aber der Mensch differenziert da gewöhnlich nicht, sondern wird – ohne die Gründe zu kennen – maßregelnd. Und das ist in sehr vielen Fällen eben nicht richtig und beschädigt die Vorbildfunktion, die man als Hundeführer hat.

Gründe, warum ein Hund nicht kommt – oder zögert, wenn man ihn ruft:

1. Der Hund kennt das Kommando nicht.
2. Die Körpersprache des Menschen verheißt nichts Gutes.
3. Die Stimme bzw. die Stimmung sind bedrohlich (der Mensch ist sauer).
4. Die einladende Körpersprache und das dazugehörige Handzeichen fehlen.
5. Der Hund hat gar nicht mitbekommen, dass wir ihn rufen (evtl. laute Nebengeräusche – schlappohriger Hund rennt durchs Laub, ein lauter Fluss oder Bach -, oder er ist zu weit weg.
6. Der Name des Hundes vor dem Kommandowort hat gefehlt.
7. Der Hund wurde nur mit seinem Namen gerufen, das Kommandowort hat gefehlt.
8. Inkonsequenter Umgang mit Kommandosignalen: Es werden immer wieder wechselnde Kommandos für das Herankommen genutzt (Komm! Hier! Komm’ mal! Hierher! Komm jetzt hierher!… usw.) – ein Durcheinander!
9. Ungünstige Wahl des Kommandowortes (Komm! wird meistens überstrapaziert: Komm’, mach’ mal Sitz! Komm’ mal! Komm, wir gehen, etc.).
10. Der Hund hat sich angewöhnt, bei dieser Person nicht zu reagieren.
11. Der Hund hat gelernt, dass es keine Konsequenzen gibt, wenn er nicht kommt.
12. Der Besitzer hat ihn zu oft gerufen, ohne dass von dem Hund verlangt wurde, wirklich ganz heranzukommen.
13. Der Hund wurde an diesem Tag schon viel zu oft gerufen.
14. Der Hund hat Angst oder ist der rufenden Person gegenüber unsicher.
15. Der Hund ist aus einem anderen Grund plötzlich ängstlich oder panisch (hinter Ihnen steht ein Löwe, irgendwo hat ein Auspuff geknallt, ein „feindlicher“ Hund schiebt sich zwischen Sie und Ihren Hund).
16. Um zu kommen, müsste der Hund an etwas vorbei, was ihn verunsichert oder Angst macht.
17. Die allgemeine Ablenkung ist sehr stark, und der Hund hat noch nicht gelernt, unter Ablenkung zu kommen.
18. Der Hund kann nicht kommen, weil er von einem anderen Hund fixiert wird, oder er weiß, dass er von einem anderen Hund belästigt wird, wenn er schnell herankommt (die wartende Hundegruppe wird ihn mobben wenn er jetzt kommt).
19. Der Hund wird gerade von einem anderen Hund aktiv belagert durch Spannung oder wildes Spiel.
20. Der Hund wird von zwei Personen gleichzeitig gerufen.
21. Der Hund hat schlechte Erfahrungen gemacht mit dem Kommen (er wurde anschließend bestraft, angeschnauzt oder grundsätzlich angeleint).
22. Der Hund hat gerade keine Lust.
23. Falsche Motivation – beim Aufbau haben die Kekse nicht gestimmt.
24. Der Hundebesitzer quatscht ständig auf den Hund ein, der Hund ist „muttertaub”.
25. Die innere Haltung des Hundeführers stimmt nicht mit dem Kommando überein („Ach, der kommt jetzt sowieso nicht“, denkt der, obwohl er ihn ruft).
26. Allgemein fehlende Führung durch den Besitzer.
27. Bevor der Hund ganz herangekommen ist, hat die rufende Person ihre Konzentration fallen lassen.
28. Der Hund will nicht herankommen, weil er nicht angeleint werden möchte.
29. Der Hund hat gelernt, dass er immer dann gerufen wird, wenn irgendein super Reiz in der Nähe ist – Wild, Grillabfälle, bestimmte andere Hunde, Rüden. Deshalb bleibt der Hund erst einmal stehen und schaut sich um, woran es liegen kann, dass er gerufen wird.
30. Der Hund will nicht ins Auto steigen (Reisekrankheit? Anderer Hund sitzt da schon und fixiert ihn?).
31. Der Hund wird von der Sonne geblendet.
32. Der Hund hat vielleicht die Erfahrung gemacht, dass er beim Anleinen immer den Karabiner der Hundeleine gegen den Kopf bekommt, weil die Leine um den Kopf des Besitzers hängt.
33. Der Hund wird von jemandem fest gehalten.
34. Der Hund wird gerade von jemand anderem gefüttert oder bespielt.
35. Der Hund hängt mit Halsband oder Leine irgendwo fest.
36. Der Hund hat noch gar nicht gelernt, auch auf weite Distanzen wieder heran zu kommen.
37. Der Hund ist verletzt oder gestochen wortden.
38. Der Hund hört schlecht/ist taub und kann keine Hörzeichen wahrnehmen.
39. Der Hund hat die Orientierung verloren.
40. Der Hund kann aus hormonellen Gründen nicht kommen (bei Hündinnen Läufigkeit, bei Rüden heiße Hündinnen).
41. Der Hund muss erst einmal seine Grundbedürfnisse erfüllen (sich lösen oder trinken).
42. Der Hund ist zu erschöpft, um zu kommen.
43. Der Hund möchte nicht direkt auf eine Gruppe von mehreren Hunden und/oder Menschen zukommen.

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