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Zickenkrieg oder: Wie mir ein Hund das Leben rettete

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Als ich sieben Jahre alt war, rettete mir ein Hund übrigens das Leben.
Meine Großmutter hatte eine Ziege namens Schneeweißchen. Schneeweißchen war groß, weiß und wunderschön, wie ein Einhorn ohne Einhorn, aber nicht so unschuldig wie die Märchengestalt, von der sie ihren Namen hatte, sondern böse und gemein. Sie hasste alle und jeden, außer dem großen schwarzen Neufundländer meines Onkels, Cäsar, den sie anbetete und überallhin verfolgte. Schneeweißchen war die Ziegenversion von Glenn Close aus „Eine verhängnisvolle Affäre”. Weil jeder wusste, dass Schneeweißchen aggressiv und gefährlich war, wurde sie tagsüber meist eingesperrt. Weil aber meine Großmutter der Meinung war, jedes Tier – unabhängig von seinem Charakter – verdiene Freilauf, frische Luft und ebensolches Gras, durfte Schneeweißchen nachts und frühmorgens frei herumlaufen. Ich hatte bereits als Kind senile Bettflucht und stand immer sehr früh auf, um morgens mit Cäsar spazieren zu gehen, Frösche zu fangen, Kaninchenfutter zu sammeln, oder was man sonst morgens um halb sechs als Siebenjährige alles zu tun hat. Im Morgengrauen sah mich also Schneeweißchen durch Gras laufen, und weil sie gerade nichts besseres zu tun hatte, beschloss sie, mich niederzustoßen: Sie galoppierte im gestreckten Lauf auf mich zu und rammte ihre Stirn mitsamt ihrer 70 Kilo Körpergewicht in mein damals noch kleines, kompaktes Hinterteil. Als ich versuchte, wieder auf die Füße zu kommen, stieß sie mich erneut. Mein Geheul verhallte aufgrund der frühen Stunde ungehört, niemand kam zu meiner Rettung – außer Cäsar. Als er mein Gebrüll hörte, kam er um die Ecke gerannt, begriff die Situation in wenigen Sekunden, und begann, die blöde Ziege wütend anzubellen. Nachdem Cäsars Meinung die einzige war, die für Schneeweißchen galt, ließ sie von mir ab und begrüßte ihn begeistert.
Wäre ich zu diesem Zeitpunkt Hunden nicht schon längst verfallen gewesen: Dies wäre der richtige Zeitpunkt gewesen.

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bildvom 28.10.12

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