Ich würd’ auch gern leben wie ein Hund

Die meisten Hunde, die ich kenne, leben wie gefeuerte Vorstandsvorsitzende: Frei von jeglicher Verantwortung bekommen sie einen Bonus nach dem anderen und führen ein Leben in Saus und Braus. Sie tragen Halsbänder und Leinen passend zur menschlichen Garderobe, bekommen Hundespielzeug passend zur jeweiligen Entwicklungsphase und Hundebetten passend zum Wohnungsinterieur zu kaufen.
Der Witz ist natürlich: Die meisten Hunde wollen überhaupt kein weiches Hundebett: Sie wollen in unserem Bett schlafen, und trotz bester menschlicher Vorsätze setzen die meisten Hunde dieses Konzept auch innerhalb der ersten sechs Monate unwiderruflich durch.
Meine braune Pudelin Ida war sozusagen die Jennifer Lopez der Kaniden: Ursprünglich aus einfachen Verhältnissen stammend, eignete sie sich schnell einen ganz selbstverständlichen Geschmack für teuer Designerartikel an. Die vielen pädagogisch wertvollen Hundespielsachen, die den Boden meiner Wohnung bedecken, können sie nicht erfreuen, die artgerechten Kauartikel interessierten sie nie: Meine Sachen gefallen ihr besser. Allein in ihrem ersten Jahr zerkaute sie eine Lesebrille von Dolce&Gabbana inklusive Gläsern, drei Paar Pumps, ein Paar Prada-Stiefel gestaltete sie zu Sandalen um, von diversen BHs, die sie, noch ungetragen direkt aus der Tüte gründlich zwischen ihren scharfen Zähnen zermalmte, ganz zu schweigen, nebst Stuhlbeinen, Taschen, Gürtlen. Als Beilage fraß sie Klopapier.
Was die Grundnahrung unserer Hunde betrifft, bieten sich ganz andere Möglichkeiten, unglaubliches Geld loszuwerden. Es gibt eine Trilliarde verschiedener Dosen- und Trockenfuttersorten, und es obliegt dem geschickten Fachberater, die teuerste Sorte an Herrchen oder Frauchen zu bringen. Hunde können das Zeug meist nicht ausstehen. Würden wir stattdessen Hunden einfach das fressen lassen, was sie unterwegs aufsammeln und für ihre natürliche Nahrung halten – ausgespuckte Kaugummis, vergammelte Döner, vor Wochen
verstorbene Fische, benutzte Papiertaschentücher -, wir könnten unsere Hunde sehr glücklich machen. Selbst meinen eigenen ergeht es nicht besser: Unerbittlich nötige ich sie täglich, eigens aus England importiertes, kräuterhaltiges Futter aus richtigherumschwimmenden Lachsen und freilaufenden Rehen zu fressen. Es sieht aus wie Hasenköttel, schmeckt aber offensichtlich nicht so. Also rühre ich noch Hüttenkäse, Frischfleisch und Seealgenpulver darunter. Während sie das Ganze mit langen Zähnen verspeisen, träumen sie von Cheeseburgern und Schokoladenkuchen.
Warum wir Menschen gerade an dieser Stelle darauf beharren, dass unsere besten Freunde doch Hunde sind, werden sie wohl nie verstehen.

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